Nachlese Infoabend: EU-Naturschutz auf dem Prüfstand – Faktoren einer gelungenen Umsetzung

Am 20. April 2016 fand im Haus der Europäischen Union in Wien die Auftaktveranstaltung der Veranstaltungsreihe „EU-Naturschutz auf dem Prüfstand – Faktoren einer gelungenen Umsetzung“ statt. Über 140 TeilnehmerInnen sind der Einladung von EU-Umweltbüro, WWF, BirdLife und Umweltdachverband gefolgt. Nachstehend finden Sie eine Kurzfassung der wesentlichsten Inhalte sowie die Präsentationen der Vortragenden zum Download.

Einleitende Worte durch den Präsidenten des Umweltdachverbandes, Franz Maier

Franz Maier betonte in seinen einleitenden Worten, dass der Brennpunkt der österreichischen Naturschutzpolitik nach wie vor Natura 2000 ist. Es ist unumstritten, dass Österreich EU-weit kein Vorreiter in Sachen Ausweisung ist. Der Nachnominierungsprozess verstellt gleichzeitig jedoch den Blick auf wichtige Umsetzungsschritte, denen man sich ebenso widmen sollte. In einem Dialog aller Interessensgruppen muss mit Förderprogrammen und Projekten für den Erhalt der Biodiversität gearbeitet werden: miteinander und nicht gegeneinander. Der Mehrwert der europäischen Naturschutz-Richtlinien steckt in den einheitlichen Rahmenbedingungen für ein föderal organisiertes Land. Die wichtigsten Aufgaben der nächsten Jahre sind daher

  • die Vervollständigung der Ausweisung
  • die Planung und Umsetzung des Gebietsmanagement sowie
  • die Sicherstellung der Betreuung.

Schließlich müssen Abgeltungen für Nachteile der GrundeigentümerInnen und -bewirtschafterInnen vorhanden sein. Ausschlaggebende Faktoren für eine bessere Umsetzung sind politisches Commitment und erhöhte Ressourcen.

Keynote Speech von Leonardo Mazza, Senior Policy Officer for Biodiversity, European Environmental Bureau (EEB)

Leonardo Mazza erklärte in seinem Vortrag den Hintergrund des Fitness-Checks und erläuterte den bisherigen Prozess sowie die zur Anwendung gekommenen Kriterien. Im Anschluss wurden die bisherigen Ergebnisse des Fitness-Checks vorgestellt. Die endgültigen Ergebnisse werden erst später als ursprünglich geplant bekannt werden: Anfang Juni wird das Kollegium der Kommissionsmitglieder ein Arbeitspapier veröffentlichen und Ende Juni werden im Rahmen einer Konferenz in Amsterdam erste, mögliche Folgemaßnahmen vorgestellt werden. Zurzeit scheint eine abschließende Mitteilung der Kommission, welche detaillierte Maßnahmen enthalten soll, im November 2016 wahrscheinlich. Die wichtigsten Forderungen des EEB sind

  • eine effiziente Umsetzung,
  • finanzielle Maßnahmen und Anreize für Biodiversitätsschutz,
  • Verbesserung der Kohärenz zwischen Biodiversität und sektoralen Politiken sowie
  • die Gewährleistung von Transparenz und Beteiligung der Öffentlichkeit.

Download der Präsentation (PDF, 151 KB)

Impulsvorträge aus der Praxis

Claudia Arming, Schutzgebietsbetreuerin in Oberösterreich sieht drei ausschlaggebende Dimensionen im Gebietsmanagement:

  1. Hohes, ökologisches und breit aufgestelltes Fachwissen
  2. Zeit, denn man kann Dinge „nicht übers Knie brechen“
  3. Persönlichkeit: authentisch und bestimmt für Naturschutzanliegen eintreten, als Schaltstelle für alle möglichen Interessengruppen auftreten und diesen Gruppen auch Wertschätzung entgegen bringen

Download der Präsentation (PDF, 268 KB)

Johannes Pressl, Bürgermeister der Marktgemeinde Ardagger sieht Verbesserungspotenzial im Umgang mit Natura 2000 in folgenden Punkten:

  • Grundverständnis für das Gebiet und für die Menschen, die davon leben – auch bei externen ExpertInnen.
  • Ersparnis langwieriger „Großdiskussionen“ durch Einbezug aller betroffenen Interessensgruppen im Gebiet in einen Gesamt-Masterplan – und zwar von Anfang an, denn so kommen auch mögliche Synergien zum Vorschein.
  • EntscheidungsträgerInnen gewinnen anstatt verpflichten: Menschen stolz machen. Naturschutz muss uns wechselseitig etwas wert sein.

Download der Präsentation (PDF, 159 KB)

Brigitte Sladek, ASFINAG findet folgende Punkte für eine gute Umsetzung bzw. Berücksichtigung von Natura 2000-Anliegen wichtig:

  • Managementpläne mit guten Erhaltungszielen
  • Vorhandensein wissenschaftlicher Grundlagen
  • Klare Rahmenbedingungen
  • Proaktiver Umgang mit Natura 2000

Podiumsdiskussion: Faktoren einer gelungenen Umsetzung

Teilnehmer:

  • Martin Längauer, Landwirtschaftskammer Österreich
  • Gábor Wichmann, BirdLife Österreich
  • Gerald Neubacher, Abteilung Naturschutz Oberösterreich
  • Michael Johann, Kärntner Landtag, Die Grünen

Die wichtigsten Ergebnisse der Diskussion kompakt zusammengefasst:

  • Kommunikation: Verbesserungsbedarf insbesondere bei der Kommunikation zu den wichtigsten Playern, den LandbewirtschafterInnen.
  • Entschädigungsinstrumente: Optimierungsbedarf in der Landwirtschaft, ausreichende Dotierung des Waldökologieprogramms.
  • Naturschutzförderungen: Konkurrenzfähigkeit würde für mehr Verständnis und Freiwilligkeit sorgen.
  • Verbesserung der Managementpläne: im Sinne von quantitativ formulierten Zielen, Erarbeitung unter Einbeziehung der GrundeigentümerInnen.
  • Schutzgebietsmanagement & -betreuung: flächendeckender Ausbau ist nötig, Auseinandersetzung mit bestehenden Ängsten durch Schutzgebietsbetreuung.
  • Österreichweite Koordination ist erforderlich:  Gebietsausweisung, Sicherstellung der Finanzierung, Managementplanung.
  • Bekämpfung von Ängsten und Vorbehalten bzw. Ressentiments bei den LandnutzerInnen ist ein großes Anliegen, denn Angst lähmt den Prozess und verhindert Kreativität.