Naturverträgliche Energiewende

Erneuerbare Energien sind die Hoffnungsträger für eine „saubere“ Energiezukunft. Laut Ökostrombericht konnte Windkraft in den vergangenen Jahren den größten Zuwachs am Anteil Erneuerbarer erzielen – bald dürfte das tausendste Windrad in Österreich ans Netz gehen. Wird diese Tendenz beibehalten, könnte die Windkraft 2030 bereits ein Viertel des Stromverbrauchs decken. Wasserkraft liefert in Österreich derzeit den größten Anteil an erneuerbarer Energie – mehr als 5.000 Wasserkraftwerke liefern ca. zwei Drittel der heimischen Stromproduktion. Gemessen am Gesamtenergiebedarf, der neben Strom auch Energie für Wärmeerzeugung und Mobilität umfasst, kommt die Wasserkraft allerdings nur auf einen Anteil von rund 11 % – hier stehen immer noch die klassischen Fossilen Öl (ca. 36 %), Gas (ca. 21 %) und Kohle (ca. 10 %) ganz oben auf der Liste. Darüber hinaus werden im Waldland Österreich aktuell 20 Millionen Kubikmeter Holz für die thermische Verwertung genutzt, rund 70.000 ha Fläche werden für die Erzeugung von Biokraftstoffen verwendet, was etwa 5,2 % der heimischen Ackerflächen ausmacht. Die Energieproduktion durch Sonnenkraft mittels Photovoltaik-Anlagen dürfte Ende 2015 an einem vorläufigen Höhepunkt anlangen und trägt mit der Bereitstellung von 1 GW zum Mix aus Erneuerbaren bei.

windraeder andalusien 2 c Stefanie Schabhuettl

© Stefanie Schabhüttl

Nicht um jeden Preis!

Die Endlichkeit fossiler Energieträger bedingt früher oder später einen kompletten Umstieg auf erneuerbare Energien. Doch wir dürfen dabei nicht übersehen, dass es gilt, die Anforderungen des Klimaschutzes mit den Anliegen des Naturschutzes zu verbinden. Denn auch der Ausbau der erneuerbaren Energien kann Spuren in der Natur hinterlassen, v. a. wenn dieser droht, immer mehr in geschützte bzw. schützenswerte Lebensräume vorzudringen, wie z. B. eine Vielzahl aktueller Wasserkraftwerksplanungen zeigt. Aus Naturschutzsicht können auch Windkraftanlagen mitunter negative Folgewirkungen auf Vogelbestände und Fledermausvorkommen nach sich ziehen; eine vermehrte Nutzung von Restholz und Biomasse muss so gestaltet werden, dass die Nährstoffbilanzen der Waldböden ausgeglichen bleiben und Biodiversität im Wald auch künftig Platz hat. Daher ist für den Umweltdachverband die Maxime ein naturverträgliches Energiesystem, das basierend auf erneuerbaren Energieträgern die Bedürfnisse von Mensch UND Natur erfüllt. Denn eine intakte Natur, die den Menschen mit sauberem Wasser, lebendigen Böden und vielfältigen Pflanzen- und Tierarten versorgt, ist ebenso Bedingung für eine nachhaltige Entwicklung, wie eine erneuerbare Energieversorgung.

Runter mit dem Energieverbrauch!

Der Weg aus dem Teufelskreis des steigenden Energiebedarfs einerseits und der begrenzten ökologisch verträglichen Ausbaumöglichkeiten andererseits führt nur über klare politische Entscheidungen: An vorderster Front stehen eine drastische Reduktion des Energieverbrauchs inklusive der Erhöhung der Energieeffizienz, eine Ausweisung von Tabuzonen und damit eine überregionale strategische Planung zur Festlegung geeigneter Ausbaustandorte, welche die Nutzung der Erneuerbaren mit Natur- und Landschaftsschutzinteressen in Einklang bringt.

Der Umweltdachverband setzt sich für eine Energiepolitik ein, die sich auf das naturverträglich Mögliche und umweltpolitisch Notwendige fokussiert.