Demokratiepolitischer Markstein

Fotos: Archiv Kuratorium Wald

Die Besetzung der Stopfenreuther Au im Dezember 1984 leitete nicht nur einen umwelt-, sondern auch einen demokratiepolitischen Bewusstseinswandel ein: Rechtsstaat, Demokratie und Bürgerbeteiligung bekamen einen höheren Stellenwert. Der Widerstand gegen den Bau des Donau-Kraftwerkes Hainburg war wie auch die Auseinandersetzung um Zwentendorf 1978 und die Besetzung des Reichraminger Hintergebirges 1984 - die die Voraussetzungen für den späteren Nationalpark Kalkalpen schuf - ein Markstein für die Wertschätzung von Natur und Umwelt in Österreich. Hainburg verankerte den Begriff «Umwelt» in der Gesellschaft und setzte den damals Mächtigen des Landes Grenzen. Die Au-SchützerInnen knüpften an das Motto der Anti-AKW-Bewegung an: «Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht». Zehntausende NaturschützerInnen und all jene, die auf eine dringend notwendige Wende in der Umweltpolitik gehofft hatten, machten damals die Erfahrung, dass sich Wehren bewähren kann - und zwar ausschließlich mit demokratischen Methoden und gewaltfreien Aktionen.

Gelebte Demokratie und Partizipation

Gerhard Heilingbrunner (re.), 1984 Leiter des Alternativ-Referats der ÖH, heute Präsident des UWD.

In der Au wurde zudem von engagierten Menschen das Bedürfnis nach mehr Partizipation, nach direkter Demokratie vor Ort gelebt - eine außerparlamentarische Opposition in Sachen «Auschutz» formierte sich. Getragen wurde diese Bewegung von VertreterInnen aus allen Bevölkerungsschichten. Sie alle wehrten sich gegen die überholte Vorstellung, dass Ökonomie auf ökologische Rücksichtnahme verzichten könnte, Natur nicht als Wert begriff, sondern als Gegenstand der Ausbeutung behandelte.