Zahlreiche Ausbauvorhaben gefährden Europas Lebensader
Die Donau ist mit 2.857 km Gesamtlänge nach der Wolga der zweitlängste Fluss Europas. Sie entspringt im Schwarzwald, durchfließt 10 Staaten und mündet mit einem fünfarmigen Delta ins Schwarze Meer. Während die obere Donau in weiten Streckenabschnitten gestaut, begradigt und kanalisiert wurde, birgt sie im mittleren und unteren Teil noch Naturkleinode - die allerdings zunehmend unter Druck kommen. Der Verkehrskorridor VII, die Wasserstraße Donau, soll laut EU im Rahmen der Transeuropäischen Netzwerke (TEN) für die Schifffahrt ausgebaut werden. Auf mehr als 1.000 Flusskilometern haben die Verkehrsstrategen Handlungsbedarf ausgemacht: zu enge Kurven, zu schwankende Wasserstände, zu geringe Wassertiefe. Betroffen von den Ausbauvorhaben sind zahlreiche wertvolle naturnahe Flusslandschaften und Auwälder. Werden die EU-Pläne vollständig umgesetzt, steht die Donau am Scheideweg: Europas Lebensader ist dann kein lebendiger Fluss mehr, sondern nichts als eine Wasserstraße.
Flussbauliches Gesamtprojekt

- Foto: Kovacs
In Österreich ist der 48 km lange Streckenabschnitt vom Kraftwerk Freudenau bis zur österreichisch-slowakischen Grenze betroffen, einer der letzten freien Fließwasserstrecken des Stromes in Österreich und der größte zusammenhängende Auwald an der Donau. Genau in diesem ökologisch sensiblen Abschnitt soll der Fluss nach Plänen des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit) und der via donau - Österreichische Wasserstraßen-Gesellschaft mbH - durch Eintiefung der Schifffahrtsrinne ganzjährig schiffbar gemacht werden. 2002 wurde dazu das «Flussbauliche Gesamtprojekt Donau östlich von Wien» (FBG) gestartet, das das Problem der Sohleintiefung lösen und die «nautischen und ökologischen Anforderungen an den Raum erfüllen sol». Der Ausbauplan sieht lokale Eintiefungen bis zu 2,8 m vor, um das derzeitige Transportaufkommen von ca. 12 auf bis zu 30 Millionen Tonnen zu erhöhen. Ein Vorhaben, das aus ökologischer Sicht äußerst problematisch ist! Der UWD bezog - gemeinsam mit weiteren maßgeblichen NGOs und NaturschützerInnen - klar Stellung gegen die geplante Verbauung der Donausohle, da das Vorhaben aus ökologischer Sicht äußerst problematisch ist ... >> mehr dazu
Naturnahe Flusslandschaften in Gefahr
In Deutschland ist die Flussstrecke von Straubing bis nach Vilshofen die einzig verbliebene freie Fließstrecke, die noch eine Aulandschaft bietet. Dieser naturnahe Abschnitt wird seit mehr als zwei Jahrzehnten von Staustufen bedroht, die gebaut werden sollen, um für die Schifffahrt Tiefen von mehr als 2,20 Metern zu erreichen - was das Aus für die letzte Donau-Au in Deutschland bedeuten würde. In Ungarn prägen der Nationalpark Danube-Ipoly, einer der größten Auwaldkomplexe Mitteleuropas, und der fast 50.000 Hektar große Duna-Drava Nationalpark den Verlauf des Stromes. Auch hier sollen mehr als 150 Kilometer Flussstrecke für den Korridor VII ausgebaut werden - ein hervorragendes Inselparadies würde für immer zerstört werden. In Kroatien wäre das Kopacki Rit - eine einzigartige Wasserlandschaft und faszinierendes Vogelparadies - durch den Ausbau in Gefahr. Dieser Zusammenfluss von Donau und Drau ist auf 23.000 Hektar als Ramsar-Schutzgebiet ausgewiesen - durch eine Vertiefung der Donau würde der Wasserspiegel der Auen sinken und Feuchtgebiete trocken fallen.
Der beinahe 500 km lange Flussabschnitt zwischen Rumänien und Bulgarien gehört zu den letzten großen naturbelassenen Stromlandschaften Europas. Rosa Pelikane, Störe, Seeadler, Fischotter und viele andere, teils streng geschützte Arten, sind hier beheimatet. Durch Baggerungen würde nicht nur die naturnahe Flusslandschaft zerstört werden, sondern auch wertvolle Trinkwasserreserven verloren gehen.
Das Donaudelta ist mit fast 600.000 Hektar eines der wertvollsten Feuchtgebiete weltweit. Mehr als 100 Fischarten und 280 Vogelarten - darunter 70 Prozent des Weltbestandes des Rosa Pelikans - leben hier. Trotz mehrfachen Schutzes ist derzeit der Bau eines Schifffahrtkanals im ukrainischen Teil des Deltas in Bau. Der Lebensraum von 4.000 Vogelpaaren und Millionen Fischen wird dadurch vernichtet.
Eingriffe in den Flusslauf konterkarieren EU-Wasserrahmenrichtlinie
Die Ausbaupläne würden somit nicht nur eine Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten vernichten, sondern auch viele andere, für die Menschen wichtige Umweltressourcen gefährden - vom Grundwasserhaushalt bis zur Trinkwasserversorgung von mehr als 20 Mio. Menschen. Der Verlust von Auwäldern und Rückhalteräumen für Hochwasser würde zudem die Gefahr von Überschwemmungen erhöhen. Laut Bericht der Internationalen Kommission zum Schutz der Donau werden weite Teile der Donau auf Grund der künstlichen Veränderungen des Flusses nicht den Kriterien der EU-WRRL entsprechen können. Hauptverantwortlich für diese Eingriffe in den natürlichen Flusslauf ist neben den Baumaßnahmen für Wasserkraftwerke und den Hochwasserschutz vor allem die Schifffahrt.
Schifffahrtskanäle nicht auf Kosten von Mensch und Natur!
Fest steht, dass Schifffahrt und Transport auf der Donau wichtig sind. Fest steht aber auch, dass dabei sozioökonomische und ökologische Faktoren berücksichtigt werden müssen. Aktuell beschränken sich die meisten Pläne zur Verbesserung der Schifffahrtsbedingungen darauf, den Fluss an immer größere Schiffe anzupassen, anstatt moderne Technologien im Schiffsbau, in der Logistik und Kommunikation zu fördern, mit denen die Transportkapazität erhöht und die Beeinträchtigungen der Umwelt erheblich verringert werden können. Daneben bringt der Klimawandel die Notwendigkeit mit sich, Schiffe mit niedrigeren Fahrwassertiefen zum Einsatz zu bringen, die Schiffe damit an die Flüsse anzupassen und nicht ungekehrt. Die Planungen müssen nachhaltig sein, den gesetzlichen Rahmenbedingung - allen voran der EU-WRRL - entsprechen und sowohl klimarelevante Aspekte als auch lokale ökologische Eingriffe, wie etwa Gewässerverbauung, mitberücksichtigen. In Summe gilt es, umfassende und nachhaltige Lösungen für eine verträgliche Nutzung des Flusses für die verschiedenen Bedürfnisse - nicht nur für die Schifffahrt, sondern auch z.B. für Fischerei, Tourismus, Landwirtschaft und Naturschutz - zu erarbeiten. Gelingt dies nicht, wird einer der bedeutendsten Flüsse Europas den Bach hinunter gehen.
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