Energie, aber wie? Die Schlüsselfrage der Zukunft

Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen wachsen im Jahresschnitt kontinuierlich an, der Klimawandel geht ungebremst voran und hat für die Alpenrepublik bereits spürbare Folgen, Energieimporte steigen, fossile Energie regiert, Energiekosten für Haushalte explodieren. Seit 40 Jahren ist die Problemlage bekannt, seit 30 Jahren werden Strategien erarbeitet, die dann nicht verfolgt werden, und seit 20 Jahren gibt es eine fundierte technologische Basis zur Umsetzung, die allerdings nicht genutzt wird. Fazit: Österreich steht nach wie vor gerade einmal am Anfang des Weges in eine nachhaltige Energiezukunft. Abhilfe soll jetzt die «Energiestrategie Österreich» schaffen, die die Schritte für die Erreichung der EU-Energieziele bis 2020 vorgeben und die großen klima- und energiepolitischen Herausforderungen der nahen Zukunft bewältigen soll: Der Klimawandel muss gebremst, die Energiewende eingeleitet, der Weg in eine nachhaltige Energiezukunft bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Ressourcen für unsere Kinder geebnet werden. Der Umweltdachverband hat dazu ein Positionspapier erarbeitet, das die wichtigsten Eckpunkte für ein Gelingen dieser Strategie aufzeigt.

Sparen, Effizienz steigern, naturverträglich produzieren

Die derzeitigen Probleme unseres Energiesystems reichen weit in alle gesellschaftlichen Bereiche hinein. Mit dem Thema Energieerzeugung ist vielfach nicht nur der Umweltaspekt verbunden, sondern natürlich auch der soziale Frieden und die internationale Sicherheit aber natürlich auch der Aspekt der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit. Vor diesem Hintergrund ist ein überlegter und verantwortungsvoller Zugang zu der Frage der Energieversorgungssicherheit enorm wichtig. Die öffentliche Diskussion wird derzeit sehr stark von den Energieversorgern dominiert. Mit platten Botschaften wird uns weis gemacht, dass wir unsere Energieprobleme hauptsächlich mit einer wesentlichen Erhöhung der Energieproduktion lösen könnten. Jeder, der sich mit der Materie näher auseinandersetzt weiß allerdings, dass mit dieser Verzerrung der Fokus auf die falschen Prioritäten gelegt wird.

Für den Umweltdachverband ist daher klar, dass die erste und oberste Priorität eine nachhaltige massive Reduktion des Endenergieverbrauches sein muss. Als zweite Priorität muss es gelingen, die Effizienz sowohl im Verbrauch als auch in der Produktion von Energie zu erhöhen - eine Grundvoraussetzung auch für die erste Priorität. Erst als dritte Priorität sollte man über die Ausweitung der Produktionsvolumina nachdenken, wobei diese nur in einer naturverträglichen Form passieren kann.

Als spezielle Maßnahmen schlägt der Umweltdachverband vor:

Mit Gebäudesanierung punkten
Der Sektor Raumwärme und Kleinverbrauch ist verantwortlich für 45 % des Energieverbrauchs der Haushalte und trägt zu 16 % zu den heimischen Treibhausgasemissionen bei. Gewaltiges Einsparpotenzial liegt hier brach. Weiteres Plus: Investitionen in Gebäudesanierungen bewirken eine Win-Win-Situation: Weniger Energieimporte, mehr Beschäftigungs- und Konjunkturimpulse und Forschungsaktivitäten und verbesserter Heizkomfort und Einsparungen bei den Energieausgaben für die BewohnerInnen. Um die Sanierungsrate auf 3 % p.a. zu heben, fordert der Umweltdachverband eine Mrd. Euro pro Jahr zusätzlich für Gebäudesanierung. Weiters sind durch thermische Sanierungen Einsparungen von bis zu 80 % realisierbar. Zudem muss beim Neubau ab 2012 der Passivhausstandard eingeführt und ab 2015 das Nullenergiehaus zum Standard werden. Hohe thermische Standards sollten zudem in der Wohnbauhilfe und dem Baurecht verankert werden.

Stromeinsparpotenziale umsetzen
In den letzten zehn Jahren wuchs der Stromverbrauch um mehr als 25 % - wir verbrauchen also pro anno ca. 2,4 % mehr Strom. 71 % des Stromverbrauchs der Haushalte entfällt auf Haushaltsgeräte, Energiesparoffensiven und ein Aus für den Stand-by-Betrieb müssen endlich kommen. Punkto Zählersystem gilt es, auf zukunftsweisende intelligente Stromzähler (Smart Meter), die analoge Zähler durch Zählersysteme mit digitaler Technologie ersetzen - zu setzen, die politischen Rahmenbedingungen für eine rasche Umstellung - bundesweit einheitliche Mindestvorschriften, eine Änderung des Eichgesetzes und Investitionsanreize für Netzbetreiber - müssen alsbald geschaffen werden.

Nachhaltige Mobilität
Der Verkehr ist das Problemkind der heimischen Klimastrategie und zweitgrößter Treibhausgasemittent. Die Erstellung eines nachhaltigen Mobilitätskonzeptes, das sich am Leitbild «Vermeiden, Verlagern, Verbessern» orientiert, ist daher dringend erforderlich. Oftmals postuliert, bis dato nicht umgesetzt: Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs muss Priorität vor weiteren Straßenbauprojekten haben. Herstellung von Kostenwahrheit, Einführung des Roadpricings, Stopp des Tanktourismus und die Forcierung der Elektromobilität sind weitere wichtige Parameter.

Naturverträglich und erneuerbar
Der naturverträgliche Ausbau erneuerbarer Energien ist ein unentbehrlicher Eckpfeiler einer wirkungsvollen Klima- und Energiepolitik. Die Potenzialstudien zeigen, dass bis 2020 ein Ausbaupotenzial von 450 PJ erschlossen werden kann. Wird in der Energiestrategie eine ambitionierte Effizienzstrategie verfolgt und der Energieverbrauch auf unter 1.000 PJ reduziert, ist es möglich, bis spätestens 2020 45 % des Energieverbrauchs aus erneuerbaren Quellen zu decken. Geht es nach den VerfechterInnen der Solarwende, muss dieser Prozentsatz auf 100 geschraubt werden, da bereits heute jede Gemeinde auf Basis Erneuerbarer Energien und Geothermie, sowie rationeller Energieanwendung, energieautark werden kann - und das innerhalb von nur fünf Jahren. Warum fehlt für diesen Weg der Mut?

Energiesparen & Effizienzsteigerung

Darüber hinaus verlangt der Umweltdachverband die Schaffung eines gut dotierten Energieeffizienzfonds, der mit der Umsetzung von Energieeffizienzprogrammen und Energiesparinitiativen betraut wird. So sollen Einsparpotenziale aufgezeigt, innovative Forschungsprojekte gefördert, der Aufbau von Energiemanagementsystemen forciert und der Ausbau und die Etablierung von Energie-Contracting-Modellen vorangetrieben werden.

Energiezukunft ohne Atomenergie
Staatliche Subventionen und Haftungsgarantien verbilligen Atomstrom, was mit ein Grund ist, warum Österreich seit der europaweiten Liberalisierung des Strommarktes Atomstrom importiert. Der Umweltdachverband fordert, dass die Regierung gegen AKW-Pläne auftritt und eine Ausstiegsstrategie aus EURATOM entwirft, da mit Steuergeldern Atomkonzerne gegen den Willen der Bevölkerung gefördert werden. In der Folge soll der Vertrag durch einen Vertrag für erneuerbare Energien ersetzt werden.

www.mein-fussabdruck.at: Wir groß ist Ihr ökologischer Fußabdruck?

Nachhaltigkeit als Prinzip
Fest steht: Nachhaltigkeit spielt punkto Energiewende eine Schlüsselrolle. Ans Ziel gelangen wir nur mit erneuerbaren Energien, die weder die Ressourcen unseres Planeten ausbeuten, noch das Klima zum Kippen bringen, noch aufgrund ihrer Endlichkeit keine Zukunft haben. Eine gelungene Energiewende verringert unseren ökologischen Fußabdruck, bringt zudem langfristig gesicherte Arbeitsplätze, hohe regionale Wertschöpfung und Exportchancen durch technologisches Leadership. Die Weichen werden jetzt gestellt - das Hier und Jetzt entscheidet über die Zukunft. Wollen wir kommenden Generationen eine Energieversorgung ermöglichen, die Lebensqualität und Sicherheit bietet? Dann muss es uns jetzt gelingen, den Anstieg des Energieverbrauchs zu stoppen und eine Effizienz- und Energierevolution anzugehen - aus ökologischer Verantwortung und unter der Prämisse der sozialen Gerechtigkeit.