Schutzgebiet im Kreuzverkehr

Er verursacht Treibhausgase, Luftschadstoffe, Lärm, bewirkt Flächenverbrauch, führt zu Versiegelung und Zerschneidung der Landschaft und trägt damit zum Verlust der Artenvielfalt bei. Mit einem Zuwachs der CO2-Emissionen von fast 73 Prozent seit dem Jahr 1990 ist er zudem Österreichs zweitgrößtes Klimaproblem: Die Rede ist vom Verkehr, der Natur und Umwelt belastet, ein gesundheitliches Risiko für die Bevölkerung darstellt und offenbar selbst vor international anerkannten Schutzgebieten nicht mehr halt macht. Der Nationalpark Donau-Auen im Umfeld der Bundeshauptstadt ist von der Verkehrsentwicklung gleich mehrfach bedroht.  

Transitschneise durch Schutzgebiet

Mit den Plänen, das hochrangige Straßennetz Österreichs ausgerechnet quer durch den Nationalpark auszubauen, wird eine der wertvollsten Auland-Flächen Europas leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Die Lobau ist UNESCO-Biosphärenreservat, Ramsar Schutz- und Natura 2000-Gebiet, Teil des Nationalparks Donau-Auen, Naturschutzgebiet und mit ihren Tiefengrundwasservorräten der Trinkwasserspeicher Wiens für Katastrophenzeiten. Geht es nach den Plänen der ASFINAG, soll eine Lobau-Autobahn gebaut werden, welche die Donau und den Nationalpark unterirdisch queren, Teil eines Autobahnrings rund um Wien werden soll und den Abschnitt der Schnellstaße S1 zwischen den Knoten Schwechat und Süßenbrunn darstellt. Das 19 km lange Straßenstück soll 1,7 Mrd. Euro kosten und 2018 in Betrieb gehen. Ende März 2009 hat die ASFINAG das Projekt zur UVP eingereicht. Stellt sich die Frage: Wie kann ein solches Autobahnprojekt umweltverträglich sein? Wenn zur gleichen Zeit Geld fehlt, um den öffentlichen Verkehr aufrecht zu erhalten, kann die Investition in die Straße nur als Fehlinvestition bezeichnet werden!

Wann kommt Verkehr auf Schiene?

Apropos Schiene: Die Eisenbahnverbindungen in die neuen EU-Mitgliedsländer waren zu Zeiten der Monarchie wesentlich besser ausgebaut als dies heute der Fall ist. Viele Jahrzehnte wurden diese Verkehrsverbindungen schlichtweg ignoriert. Seit Jahren gibt es hauptsächlich vollmundige Ankündigungspolitik, obwohl der Ausbau des Schienennetzes zwischen den mitteleuropäischen Metropolen Wien und Bratislava, die nur 55 km Luftlinie auseinander liegen, angesichts der Wirtschafts- und Energiekrise und der EU-Klimaschutzziele oberste Priorität haben müsste! Es ist hoch an der Zeit, dass ein leistungsfähiges, öffentliches Verkehrsnetz in dieser Region etabliert wird und der Bahnausbau in die umliegenden Nachbarländer forciert wird - im Sinne der BürgerInnen, des Klima- und Naturschutzes!

Massive Beschallung aus der Höhe

Das bis zuletzt rasante Wachstum des Flughafens Wien mit jährlich zweistelligen Zuwachsraten bewirkt zudem eine steigende Fluglärmbelastung im und rund um das  Nationalparkgebiet. Während profunde Untersuchungen über die Auswirkungen auf Fauna und Flora fehlen, ist die Beeinträchtigung des Erholungswertes der Menschen evident, wobei der Fluglärm gerade die am stärksten frequentierten Bereiche des Nationalparks, Lobau und Orth, trifft. Der Masterplan des Flughafens plante durch den Ausbau des Skylink und den Bau einer dritten Piste eine Kapazitätserweiterung auf 28 Mio. Passagiere - 9 Mio. waren es im Gründungsjahr des Nationalparks 1996. Die Kostenexplosion in Sachen Skylink führten allerdings Mitte 2009 zu einem Baustopp, die Rufe nach einer Untersuchungskommission wurden laut. Am 23. Oktober 2009 begann der Rechnungshof mit der Überprüfung des umstrittenen Skylink-Terminals des Flughafens Wien.
Wie auch immer - ob zu ebener Erde oder im ersten Stock: Ohne radikale Kursänderung wird die Belastung der Menschen und des Nationalparkgebietes wohl weiter steigen