Welche Unsicherheiten gibt es noch in der Klimaforschung?
Die Ergebnisse des letzten IPCC-Berichts (2007) waren sehr alarmierend und haben die Weltöffentlichkeit aufgerüttelt. Das, obwohl der Bericht sehr vorsichtig gehalten war. Große Unsicherheiten bestehen vor allem noch, was die Reaktion der natürlichen Systeme auf den Klimawandel betrifft.
Es ist beispielsweise noch völlig unklar, wie stark die Rückkoppelungseffekte der Natur ausfallen werden. Laufend werden alarmierende Ergebnisse publik: So schreitet das Abschmelzen der Arktis viel schneller voran, als vermutet: Die derzeit beobachtete Abschmelzung sollte laut den Klimamodellen erst Mitte des Jahrhunderts erreicht werden. Ein völliges Abschmelzen der Arktis würde den Meeresspiegel um 7 Meter ansteigen lassen. Weniger Eis bedeutet aber auch weniger Reflexion von Sonnenlicht und damit eine verstärkte Erwärmung - ein selbstverstärkender Mechanismus wurde ausgelöst (Albedorückkoppelung). Der Meeresspiegelanstieg wird nach neuesten Erkenntnissen also weit stärker ausfallen, als in den IPCC-Szenarien befürchtet.
Eine weitere zentrale Frage ist die CO2-Aufnahme der Meere. Mehr CO2 in der Atmosphäre kann zu einem verstärkten Algenwachstum führen, führt aber auch zu einer massiven Versauerung der Weltmeere. Derzeit sind sich die Experten nicht sicher, ob sich die Meere bereits sättigen und dauerhaft weniger CO2 aufnehmen können. Bewahrheitet sich diese Befürchtung, dann steigt der Anteil der Emissionen, der direkt in die Atmosphäre gelangt und alle Klimaprognosen müssen nach oben revidiert werden. Besorgniserregend sind auch die Berichte über den Zustand der zweiten großen CO2-Senke, der Biosphäre. Germanwatch (2008) befürchtet, dass weite Teile des Regenwaldes im Zuge des Klimawandels versteppen könnten, weil immer häufiger Dürren auftreten. Ein wesentlicher CO2-Speicher könnte so verloren gehen. Auch von anderer Seite kommt der Regenwald unter Druck: Die Forcierung von Biofuels aus Ölpalmen oder dem Anbau von Zuckerrohr und anderen Energiepflanzen übt starken Druck auf die Regenwaldabholzung aus. Nach FAO-Angaben beträgt der weltweite Nettowaldverlust jährlich 5,2 Millionen Hektar, eine Waldfläche von der Größe des Staates Costa Rica. Die Entwaldung trägt heute bereits zu etwa 20 % zum globalen Treibhausgasausstoß bei und ist damit eine treibende Kraft der globalen Erwärmung. Durch eine Verringerung der Entwaldung um 80 Prozent können bis zu 4,8 Mrd. t CO2 Emissionen eingespart werden.
Die Ergebnisse der Klimaforschung stellen Untergrenzen dar. Bewahrheiten sich nur einige der befürchteten Rückkoppelungseffekte, dann wird der Klimawandel viel dramatischer ausfallen als befürchtet.