Warum ist der Klimawandel ein soziales Problem?

Weltweit werden 80 % der Ressourcen von etwa 20 % der Weltbevölkerung konsumiert. Reiche konsumieren mehr, verbrauchen mehr Wohnfläche pro Kopf, sind mobiler und leisten sich häufiger teure Fernreisen als Arme. Hoher Ressourcenverbrauch ist bei dem derzeitigen Energiemix auch mit hohem Treibhausgasausstoß verbunden. Reiche tragen also mehr zum Klimawandel bei als Arme.

Global betrachtet, sind es aber vor allem arme Menschen in armen Ländern, die vom Klimawandel am heftigsten getroffen werden. Häufigere Wirbelstürme werden vor allem die Karibikanrainerstaaten und Südasien verwüsten, Dürren werden Afrika verstärkt heimsuchen und kleine Inselstaaten sind besonders vom steigenden Meeresspiegelanstieg bedroht. Auf einigen Inseln hat die Abwanderung bereits begonnen. Insgesamt sind 500.000 Menschen in kleinen Inselstaaten vom Meeresspiegelanstieg bedroht. Derzeit befinden sich weltweit etwa 25 Millionen Menschen auf der Flucht vor Umweltzerstörung. Durch den Klimawandel könnte sich diese Zahl bis zur Mitte des Jahrhunderts auf 150 Millionen erhöhen. Das Ausmaß dieser drohenden Katastrophe wird klarer, wenn man diese Zahl in Relation zum weltweiten Migrationsgeschehen setzt: Derzeit gibt es weltweit etwa 190 Millionen Menschen die nicht in ihren Heimatländern leben. Umweltzerstörung könnte in naher Zukunft bald zu einer der Hauptursachen für Migration werden.

Sich verschärfende ökologische Krisen stellen zudem eine Gefahr für die Erreichung der UN-Milleniums-Entwicklungsziele dar und könnten ganze Regionen in ihrer Entwicklung weit zurückwerfen. Der WBGU (2007) befürchtet in seinem Hauptgutachten «Sicherheitsrisiko Klimawandel» zudem destabilisierende Wirkungen auf Staaten durch den Klimawandel. Ressourcenkonflikte um Land, Böden und Wasser könnten sich weiter verschärfen. Die Folge von Umweltzerstörung und Deprivation wäre dann eine Gewaltzunahme in Gebieten, die bereits heute zu weltweiten Krisenregionen zählen. Der Klimawandel verursacht nicht nur ökologische Schäden, sondern birgt auch großen sozialen Sprengstoff.

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Quelle: WBGU (2007): Sicherheitsrisiko Klimawandel. S. 4