Schützen, was wir schätzen
Biologische Vielfalt bedeutet die Variabilität unter lebenden Organismen jeglicher Herkunft, ... dies umfasst die Vielfalt innerhalb der Arten und zwischen den Arten und die Vielfalt der Ökosysteme (CBD, Artikel 2).
Der Begriff Biodiversität oder biologische Vielfalt beschreibt die Vielfalt des Lebens auf der Erde und ihre Zusammenhänge in ihrer gesamten Bandbreite. Zu dieser Lebensvielfalt gehören alle Lebewesen und Arten, Ökosysteme und Landschaften. Wissenschaftlich gesehen finden sich in dieser Definition drei Organisationsebenen wieder, die alles Lebende auf der Erde umfassen: - Die Vielfalt innerhalb der Arten, also ihre genetische Bandbreite (genetische Ebene) - Die Vielfalt an Arten (organismische Ebene) - Die Vielfalt an Lebensgemeinschaften von Arten und ihre Wechselbeziehungen (ökosystemare Ebene). Hohe biologische Vielfalt ist der Maßstab für gesunde Umwelt und intakte Natur - doch in den letzten Jahrzehnten ist dieser Reichtum mehr und mehr geschwunden.
Biologische Vielfalt ist weltweit bedroht
In den letzten 150 Jahren hat sich der Verlust an biologischer Vielfalt besorgniserregend beschleunigt. ExpertInnen schätzen, dass die Geschwindigkeit des Artensterbens durch die menschliche Einflussnahme gegenüber dem natürlich bedingten Aussterbeprozess um das 100 bis 1000fache beschleunigt wurde. Die Weltnaturschutzunion IUCN listet heute ca. 17.000 Arten, die weltweit vom Aussterben bedroht sind: jedes vierte Säugetier (24 %), jeder achte Vogel (12 %), 42 % der Reptilien, 30 % der Fische und 16 % der Nadelbäume sind gefährdet. Fest steht dabei weiters, dass nicht nur Arten vom Verlust betroffen sind, sondern auch ganze Ökosysteme empfindlich auf Eingriffe, wie etwa auf Verschmutzungen, reagieren. Die EU hat bereits jetzt mehr als die Hälfte ihrer Feuchtgebiete verloren, die einst einen großen Reichtum an biologischer Vielfalt und Artenreichtum darstellten. Der Waldbestand der Erde beheimatet etwa die Hälfte der gesamten biologischen Vielfalt. Jährlich verschwinden jedoch 0,8 % der Wälder, in den Tropen beträgt der jährliche Verlust gar 4 %. Der Rückgang der biologischen Vielfalt ist demgemäß dramatisch und betrifft auch uns Menschen direkt, da menschliches Leben in hohem Maße von natürlichen Ressourcen und auch deren Nutzung abhängig ist.
Rote Listen werden länger: Auch in Österreich
Österreich ist durch das Zusammentreffen unterschiedlicher Ökosysteme auf engstem Raum ein Hot Spot der biologischen Vielfalt. Doch dass auch unser Land hinsichtlich des Artenverlustes keine Insel der Seligen ist, beweist allein schon die Statistik (2008): 2.950 Farn- und Blütenpflanzen finden in der Alpenrepublik ihre Heimat, allerdings stehen 1.187 davon auf der Roten Liste. Von insgesamt 45.870 Tierarten wurden bisher 10.882 Arten beurteilt und 2.804 davon der Roten Liste zugeordnet.
Ähnlich erschreckend ist die Lage hinsichtlich der Biotope. Ergebnisse des Artikels 17-Berichts zeigen, dass beispielsweise in der Alpinen Region nur knapp über ein Fünftel der Lebensraumtypen in gutem Zustand. In den außeralpinen Gebieten - der kontinentalen Region - weisen bloß 4 % der Naturlandschaften den geforderten günstigen Erhaltungszustand auf.
Das Abnehmen des biologischen Reichtums wirkt sich auf unsere Lebensqualität aus. Zudem wird unsere Welt mit jeder verloschenen Art ärmer an Formen, Farben, Geräuschen und Genen. Doch die Verbauung und Versiegelung von Grünlandflächen, die Zerschneidung von Lebensräumen durch Straßen, die Aufgabe traditioneller Landnutzungsformen, Nutzungsintensivierung, der Eintrag von Schadstoffen u.v.m. verdrängen wichtige Lebensrauminseln. Außerdem beschleunigt die Klimaveränderung das Verschwinden bestimmter Arten. Faktum ist daher: Der biologische Reichtum in Österreich schwindet - ein Verlust, der auch uns Menschen trifft, da wir ja selbst ein Teil dieses Systems sind und Verantwortung für dieses Naturerbe tragen sollten.
