Die neue Ära der Biodiversitätspolitik: Ziel 2010 wurde verfehlt - neues Ziel bis 2020
Auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg im Jahr 2002 haben sich Staats- und Regierungschefs dazu verpflichtet, bis 2010 den Verlust an biologischer Vielfalt zu stoppen. Die von der Weltnaturschutzorganisation IUCN gestartete und von zahlreichen (inter-)nationalen Umweltorganisationen unterstützte Initiative «2010 - Jahr der Biodiversität» sollte das Bewusstsein für den Verlust an Artenvielfalt wecken, politischen Druck auf die Entscheidungsträger ausüben und zur Vernetzung der AkteurInnen beitragen. Die Europäischen Staats- und Regierungschefs haben sich beim Rat von Göteborg (2001) klar zu diesem Ziel bekannt. Es ist Teil der Biodiversitätskonvention und auch Österreich hat sich aktiv an der Erreichung dieses hochgesteckten Zieles beteiligt - trotzdem wurde das 2010-Ziel nicht erreicht.
Beim Ratstreffen am 15. März 2010 in Brüssel wurde das neue Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 den Verlust der biologischen Vielfalt und der Ökosystemleistungen in Europa zu stoppen, deren Erhaltungszustand soweit wie möglich zu verbessern und den Beitrag der EU im globalen Bemühen zum Erhalt der Biodiversität zu stärken. Um das Ziel erreichen zu können, wird es nötig sein, konkrete, ambitionierte und vor allem auch messbare Unterziele zu definieren: Deshalb wurde auf EU-Ebene eine neu Biodiversitätsstrategie entwickelt, die den Verlust an Artenvielfalt verhindern und den Reichtum in bereits geschädigten Ökosystemen wiederherstellen soll. Darüber hinaus hat die EU auch die Vision 2050 erarbeitet, die besagt, dass Biodiversität und Ökosystemleistungen bis 2050 geschützt, wertgeschätzt und wiederhergestellt sind. Auf internationaler Ebene einigte man sich auf der internationalen Biodiversitätskonferenz in Nagoya, das Artensterben mit dem 20-Punkte Programm bis 2020 einzudämmen.
20-Punkte Programm für 2020 auf internationaler Ebene
Weltweit neue Ziele abzustimmen und einen neuen Aktionsplan für den Erhalt des Reichtums der Natur auf internationaler Ebene auszuhandeln war eines der Ziele der COP 10: Die 193 Teilnehmerländer einigten sich auf ein 20-Punkte-Programm, das bis 2020 umgesetzt werden soll, um das Artensterben aufzuhalten. Demnach sollen u.a. die Schutzgebiete zu Wasser und zu Land ausgeweitet werden. Zudem wurde das «Access and Benefits Sharing Protocol» angenommen, das die faire Teilung von Gewinnen durch die Nutzung ökologischer Ressourcen zwischen armen Ländern und Industrienationen festlegt. Jetzt geht es darum, auch wirklich Taten zu setzen, denn Papier ist geduldig, doch die Natur kann nicht länger warten.
EU-Biodiversitätsstrategie bis 2020
Die neue Strategie zum Schutz der biologischen Vielfalt "Lebensversicherung und Naturkapital: Eine Biodiversitätsstrategie der EU für das Jahr 2020" konzentriert sich auf sechs prioritäre Ziele und damit verbundene Maßnahmen:
- Ziel 1: Durchsetzung der EU-Rechtsvorschriften zur Umsetzung des Natura 2000 Netzwerkes (Vogelschutz- und FFH-Richtlinien)
- Ziel 2: Erhaltung und Verbesserung von Ökosystemen - Wiederherstellung von mindestens 15 % der Gebiete, die bereits Schaden genommen haben;
- Ziel 3: Aufforderung der Land- und Forstwirtschaft, einen Beitrag zur Wiederherstellung der Biodiversität zu leisten;
- Ziel 4: Nachhaltige Bewirtschaftung der Fischbestände durch Senkung der Fangquoten auf wissenschaftlich festgelegte Höchstgrenzen (Maximum Sustainable Yield) bis 2015;
- Ziel 5: Bekämpfung invasiver gebietsfremder Arten, die heimische Arten aus ihren Lebensräumen verdrängen
- Ziel 6: Erhöhung des EU-Beitrags zur Eindämmung des weltweiten Biodiversitätsverlustes.
Obwohl die Ziele ambitioniert sind, fehlen konkrete Formulierungen und Zeitrahmen für die Umsetzung der Maßnahmen. Der Umweltrat betont, dass für die Umsetzung der Strategie zusätzliche Geldmittel mobilisiert und bereits bestehende Förderungen dementsprechend umgestaltet werden müssen. Obwohl die Biodiversitätsstrategie noch von vielen kritisiert wird, kann sie eine wesentliche Grundlage für die Sicherung der biologischen Vielfalt in Europa darstellen. Die Umsetzung und Konkretisierung der Strategie ist für weitere Verbesserungen der Biodiversität unbedingt notwendig, da sie den Stopp des Rückgangs der Artenvielfalt und die Wiederherstellung von Ökosystemleistungen gewährleisten kann.
Eine neue Strategie für die Erhaltung der Biodiversität in Österreich?
Zur Erfüllung der CBD hat die nationale Biodiversitäts-Kommission 1998 eine Strategie erarbeitet und 2005 eine aktualisierte, weiterentwickelte Fassung erarbeitet. Ihre Schwerpunkte liegen in der Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt sowie in Forschung und Monitoring. Doch bisherige Maßnahmen zur Sicherung der Biodiversität - wie Schutzgebietsausweisungen, die Ausweitung einer umweltgerechten Landwirtschaft (ÖPUL), das Österreichische Waldprogramm - konnten noch keine Trendwende punkto Artenverlust bewirken. Das 2010 Ziel wurde nicht erreicht. Für die Erreichung der neuen Biodiversitätsziele bis 2020 ist die Überarbeitung der aktuellen Strategie in Planung.
2010 - Internationales Jahr der Biodiversität
Das Jahr 2010 war in der politischen Diskussion um die Erhaltung der Biodiversität entscheidend: Auf internationaler, europäischer und nationaler Ebene wurde das Ziel gesetzt, den Verlust an Arten bis 2010 zu stoppen, die Vereinten Nationen erklärten das Jahr zum Internationalen Jahr der Biodiversität und im Herbst 2010 fand in Japan zudem die 10. Vertragsstaatenkonferenz der Biodiversitätskonvention (CBD, COP 10) statt.
Mit dem Slogan «Biodiversity is life» wurden auf internationaler und nationaler Ebene viele Organisationen und Institutionen in ihrem Bereich für die biologische Vielfalt aktiv. Besonders rund um den 22. Mai (Tag der Verabschiedung der Biodiversitätskonvention und internationaler Tag der biologischen Vielfalt) fanden eine Reihe von Aktionen und Veranstaltungen zum Thema statt, die auf die Bedeutung der Biodiversität für uns Menschen und die akute Gefährdung der Arten aufmerksam machten.
Auf europäischer Ebene fand die Kampagne «We're all in this together» statt, welche aufzeigte, dass jede/r mithelfen muss, um die Artenvielfalt zu schützen. In Österreich wurde die Artenschutzkampagne von Naturschutzbund, WWF, BirdLife und Lebensministerium mit dem Namen «vielfaltleben» gestartet, die den Artenschutz via Information und Bewusstseinsbildung stärkten sollte. Auch Netzwerk Land vergab 2010 erstmals einen Kulturlandschaftspreis, welcher den Reichtum an Arten und Lebensräumen sichtbar machen sollte.
Zum Bestellen: Plakate "Biodiversität ist Leben"
Biodiversität - die Vielfalt des Lebens auf dieser Erde - ist die Basis unserer Existenz. Sie liefert uns Nahrungsmittel, Rohstoffe und heilende Wirkstoffe und hält einen unschätzbaren Reichtum an Farben, Formen und Inspirationen sowie Natur- und Erholungsräumen für uns bereit. Aktuell gehen jedoch immer mehr Arten durch den Verlust und die Zerstörung ihrer Lebensräume verloren. Um auf die dramatischen Folgen dieser Verluste aufmerksam zu machen, hat der Umweltdachverband gemeinsam mit der Österreichischen UNESCO-Kommission ein Info-Plakat zum Internationalen Jahr der biologischen Vielfalt 2010 mit drei verschiedenen Sujets gestaltet - bestellbar beim Umweltdachverband (bei Selbstabholung gratis!):
1 Plakat: EUR 2,- (zuzügl. Versand)
2 Plakate: EUR 4,- (zuzügl. Versand)
3 Plakate: EUR 5,- (zuzügl. Versand)
Infos und Bestellungen: Umweltdachverband, Strozzigasse 10/7-9, 1080 Wien, Tel. 01/40113-0, E-Mail
IUCN Red List species of the day
Anlässlich des Internationalen Jahres der Biodiversität hat die IUCN (International Union for Conservation of Nature) gemeinsam mit anderen Organisationen ein Projekt gestartet, um auf die Bedrohung unserer Artenvielfalt aufmerksam zu machen. Seit 1.1. 2010 wird mit «Species of the Day» jeden Tag eine neue gefährdete Art der IUCN Red List of Threatened Species präsentiert. In einem Informationssheet werden unter anderem Informationen zum Vorkommen und zur Gefährdung der Art sowie zu den Gefährdungsursachen zusammengestellt.
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