Rote Listen werden länger - auch in Österreich
Österreich ist durch das Zusammentreffen unterschiedlicher Ökosysteme auf engstem Raum ein Hot Spot der biologischen Vielfalt. Doch dass auch unser Land hinsichtlich des Artenverlustes keine Insel der Seligen ist, beweist allein schon die Statistik (2008): 2.950 Farn- und Blütenpflanzen finden in der Alpenrepublik ihre Heimat, allerdings stehen 1.187 davon auf der Roten Liste. Von insgesamt 45.870 Tierarten wurden bisher 10.882 Arten beurteilt und 2.804 davon der Roten Liste zugeordnet. Ähnlich erschreckend ist die Lage hinsichtlich der Biotope. Das Abnehmen des biologischen Reichtums wirkt sich auf unsere Lebensqualität aus. Zudem wird unsere Welt mit jeder verloschenen Art ärmer an Formen, Farben, Geräuschen und Genen. Doch die Verbauung und Versiegelung von Grünlandflächen, die Zerschneidung von Lebensräumen durch Straßen, die Aufgabe traditioneller Landnutzungsformen, Nutzungsintensivierung, der Eintrag von Schadstoffen u.v.m. verdrängen wichtige Lebensrauminseln. Außerdem beschleunigt die Klimaveränderung das Verschwinden bestimmter Arten. Faktum ist daher: Der biologische Reichtum in Österreich schwindet - ein Verlust, der auch uns Menschen trifft, da wir ja selbst ein Teil dieses Systems sind und Verantwortung für dieses Naturerbe tragen sollten.
Prioritätenliste der 50 bedrohtesten heimischen Wirbeltierarten
Deshalb hat die Biodiversitäts-Kommission eine Strategie für die Erreichung des 2010-Zieles in Österreich erarbeitet. Die Biodiversitätsstrategie (2005) soll die Kräfte im Natur- und Artenschutz bündeln. Ziel ist es, die gesamte Artenvielfalt zu schützen und zu fördern. Dazu wurde von Dr. Peter Zulka vom Umweltbundesamt im Jahr 2008 eine Liste mit 50 prioritären Wirbeltierarten zusammengestellt. Vom Ziesel über die Große Hufeisennase, Wachtelkönig und Wiesenotter bis hin zu Wiedehopf, Schleiereule, Triel und Donaukammmolch: Die Liste der 50 bedrohtesten Wirbeltiere Österreichs zeigt, wo konkret anzusetzen ist.
Weiter zur Österreichischen Biodiversitätsstrategie
Biodiversität bewusst machen
Um den Artenverlust einzudämmen, ist außerdem die Erhaltung und Wiederherstellung strukturreicher Landschaften und naturnaher Lebensräume wesentlich. Auch die Forschung muss gefördert werden, denn mittels moderner statistischer und genetischer Verfahren gelang in den letzten Jahrzehnten immer wieder die Entdeckung neuer Arten. Für eine erfolgreiche Verwirklichung der Strategie sind obendrein ausreichend Geld und eine bessere Abstimmung gesetzlicher Vorgaben für den Natur- und Artenschutz auf allen Ebenen notwendig. Besonders wertvoll sind desgleichen Initiativen, die den Artenschutz via Information und Bewusstseinsbildung stärken, wie etwa die Kampagne vielfaltleben von Naturschutzbund, WWF, BirdLife und Lebensministerium.
Bundesrahmennaturschutzgesetz gefordert
Genauso wichtig ist auch die österreichweit einheitliche Erfüllung der EU-Naturschutzrichtlinien sowie die konsequente Umsetzung internationaler Konventionen. Praktisch kein österreichisches Bundesland erfüllt die oft bereits jahrelang geltenden Schutzverpflichtungen - die sich etwa aus den EU-Naturschutzrichtlinien oder aus internationalen Konventionen ergeben. Nur wenn alle Bundesländer und der Bund an einem Strang ziehen, kann effektiver Naturschutz gelingen. Besonders jetzt, vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise, wo eine Reform der Bundesverwaltung zur Diskussion steht, ist die Schaffung einer bundeseinheitlichen Vorgabe punkto Natur- und Artenschutz in Form eines Bundesrahmennaturschutzgesetzes Gebot der Stunde.

