Einsatz des Umweltdachverbandes für Österreichs Schutzgebiete

Der Umweltdachverband macht sich seit Jahrzehnten für die heimischen Schutzgebiete und die wertvolle Kulturlandschaft stark. Die Entstehungsgeschichte dieser Naturjuwelen ist eng mit dem Wirken der alpinen Vereine und Naturschutzorganisationen, und nicht zuletzt auch des Umweltdachverbandes verbunden. Immer wieder gelang und gelingt es dem UWD außerdem, akute Bedrohungen dieser Naturschätze abzuwenden und neue Schutzgebiete zu initiieren.

Vielfältige Schutzgebietskulisse

Gebietsschutz ist ein zentraler Bestandteil für den Erhalt der biologischen Vielfalt auf den Ebenen der Gene, Arten und Ökosysteme. In Österreich gibt es daher zahlreiche Schutzgebietskategorien mit unterschiedlichen Schutzzielen und Bestimmungen. Etwa 16 Prozent der Bundesfläche sind als Natura 2000-Gebiet, Nationalpark oder Naturschutzgebiet ausgewiesen und unterliegen strengen Schutzbestimmungen.  Zu den weiteren Schutzgebietskategorien, die es in Österreich gibt, zählen Landschaftsschutzgebiete, Naturparks, Biosphärenparks, Ramsar-Gebiete und Geschützte  Landschaftsteile. Insgesamt stehen 27 Prozent der Fläche Österreichs unter Schutz. (Quelle: Umweltbundesamt)

Auch international aktiv

Das Engagement des Umweltdachverbandes für Nationalparks und Schutzgebiete ist nicht zuletzt auch durch die Mitgliedschaft des Vereines bei der Welt-Naturschutz-Union IUCN (International Union for Conservation of Nature) und bei der Föderation der Natur- und Nationalparks Europas EUROPARC dokumentiert. Der Geschäftsführer des Umweltdachverbandes, Michael Proschek-Hauptmann, ist zudem Mitglied der IUCN-Schutzgebietekommission WCPA (World Commission on Protected Areas), die u. a. für die Anerkennung von Nationalparks zuständig ist.


Foto: © Kerstin Friesenbichler

Die österreichischen Nationalparks

Sechs österreichische Nationalparks erstrecken sich derzeit mit insgesamt ca. 2.300 km2 Fläche auf rund drei Prozent des Staatsgebietes. Alpinvereine und Naturschutzorganisationen – darunter auch der Umweltdachverband – konnten mit ihrer Arbeit einen maßgeblichen Beitrag zur Entstehung dieser kostbaren Schutzgebiete leisten.

Nationalpark Hohe Tauern

Durch den großen Einsatz der alpinen Vereine und Naturschutzorganisationen im Umweltdachverband konnten das Kraftwerk Dorfertal und andere Erschließungsprojekte verhindert werden; die jahrzehntelangen Bemühungen für dieses Schutzgebiet wurden schließlich 1981 mit der Gründung des Nationalparks Hohe Tauern von Erfolg gekrönt.

NP Neusiedler See – Seewinkel

Vor Jahrzehnten verhinderte der Naturschutzbund eine Brücke über den Neusiedler See. Gemeinsam mit anderen Naturschutzorganisationen konnte Jahre später der erste international anerkannte Nationalpark Österreichs durchgesetzt werden. 1993 wurde dieser grenzüberschreitende Steppennationalpark gegründet.

Nationalpark Donau-Auen

1984 drohte mit dem geplanten Bau des Kraftwerks Hainburg die Zerstörung des letzten frei fließenden Donauabschnitts mit seinen Auwäldern – das naturzerstörerische Projekt konnte durch den Protest zigtausender ÖsterreicherInnen abgewendet werden und schrieb österreichische Umweltgeschichte. Am 27. Oktober 1996 wurde der Nationalpark Donau-Auen eröffnet. 1997 erfolgte außerdem die internationale Anerkennung als Kategorie II-Nationalpark der IUCN.

Nationalpark Thayatal

Ein Grundstein für den 1999 eröffneten Nationalpark wurde von der BürgerInneninitiative zur Erhaltung des Thayatals bereits 1988 mit der Durchsetzung eines Naturschutzgebietes gelegt. Der Umweltdachverband stand der BürgerInneninitiative zur Seite und zeichnete sie 1990 u. a. mit dem Ford-Umweltpreis aus. Als viele nicht mehr an den Nationalpark glaubten, konnte der Umweltdachverband Ende der 1990er-Jahre die verantwortlichen Politiker überzeugen. Fazit: Klein, aber fein, ist das Thayatal inzwischen zum Vorzeige-Nationalpark geworden.

Nationalpark Kalkalpen

Der Nationalpark Oberösterreichische Kalkalpen im Sengsengebirge und Reichraminger Hintergebirge ist das größte Waldschutzgebiet Österreichs. Der Umweltdachverband war in der 80er-Jahren einer der Initiatoren dieses Nationalparks und hat in den 1990er-Jahren wesentlich zu seiner Realisierung beigetragen.

Nationalpark Gesäuse

1997 beschloss der Umweltdachverband die Forderung nach einem Nationalpark im Gesäuse und setzte sich für dessen Realisierung ein. Mit der gemeinsamen Johnsbacher Erklärung von Naturschutzorganisationen und Alpinvereinen wurde ein  Schulterschluss zur Einrichtung des Nationalparks vereinbart und ein Meilenstein für dessen Verwirklichung gesetzt. Die Jahrestagung 2001 des Umweltdachverbandes leitete die Schlussoffensive für den mit 11.054 ha drittgrößten heimischen Nationalpark ein, der am 26. Oktober 2002 gegründet wurde.

Die österreichische Nationalparkstrategie: Wo stehen wir jetzt?

Um wichtige Meilensteine für die Weiterentwicklung der Nationalparks in Österreich zu setzen, liegt seit 2010 eine gemeinsame Zukunftsstrategie vor, die von Bund, Ländern und NGOs – allen voran Umweltdachverband, Alpenverein, Naturschutzbund, Naturfreunde und WWF – gemeinsam getragen wird: die Österreichische Nationalpark-Strategie. Eine wesentliche Neuerung und ein großer Erfolg für die NGOs war die Einrichtung eines Begleitgremiums, in dem neben VertreterInnen des Bundes, der betroffenen Länder und Nationalparkverwaltungen auch NGOs aktiv mitwirken können. Die Aufgaben dieses Gremiums sind die Erarbeitung von Empfehlungen für fachliche und strategische Schwerpunkte und deren Umsetzung, die Ankurbelung des Informationsaustauschs sowie die Evaluierung der Zielerreichungen.

Fünf Jahre nach Entstehung der Strategie ist es jetzt an der Zeit, die festgelegten 5-Jahresziele und den Umsetzungserfolg der Maßnahmen anhand der definierten Erfolgsindikatoren zu überprüfen, um den aktuellen Entwicklungsstand in den österreichischen Nationalparks zu erheben.

Sechs Nationalparks, eine Dachmarke: Nationalparks Austria

Ziel des im Umweltdachverband angesiedelten Projekts „Nationalparks Austria Öffentlichkeitsarbeit 2012-2014“ war es, die Bekanntheit der Dachmarke Nationalparks Austria in der breiten Öffentlichkeit und bei EntscheidungsträgerInnen zu steigern, eine positive Einstellung gegenüber den österreichischen Nationalparks zu stärken und die Nationalparks Austria-Öffentlichkeitsarbeitstools als zentrale, identitätsstiftende Informations- und Meinungsbildungsinstrumente für alle NationalparkakteurInnen auszubauen. In der dreijährigen Laufzeit des Projekts wurde eine breite und bunte Palette an öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen umgesetzt. Das Projekt wurde mit Dezember 2014 erfolgreich abgeschlossen. Seit Jänner 2015 wird das Projekt vom Verein Nationalparks Austria getragen. Mehr Informationen zu den Nationalparks Austria finden Sie hier.

Nach oben

Nationalpark Gesäuse © Andreas Hollinger

Naturparke als Bewahrer wertvoller Kulturlandschaften

In unserem Land finden sich insgesamt 50 Naturparke: 23 in Niederösterreich, sieben in der Steiermark, sechs im Burgenland, fünf in Tirol, vier in Salzburg, drei in Oberösterreich sowie zwei in Kärnten. Unter diesem Prädikat werden charakteristische österreichische Kulturlandschaften durch schonende Formen der Landnutzung und Landschaftspflege erhalten. Hinter der Erfolgsgeschichte steht als Drehscheibe und gemeinsame Interessensvertretung der Verband der Naturparke Österreichs (VNÖ), der als Mitgliedsorganisation des Umweltdachverbandes ein bedeutender Partner für die Zusammenarbeit mit den Naturparken ist.

Die heimischen Naturparke zeichnen sich durch ihre landschaftliche Schönheit, ihre natürlichen und kulturellen Höhepunkte sowie ein breites Angebot an Möglichkeiten des Naturerlebens und -begreifens aus. Naturparke schützen wertvolle Kulturlandschaften, also Gebiete, die von Menschen verändert und gestaltet wurden, die sich aber dennoch durch Naturnähe auszeichnen. Im besten Fall wirken Naturparke als Oasen der Nachhaltigkeit, die durch umweltorientierte Projekte auf verschiedene Sektoren der Umgebung ausstrahlen: Verkehr, Bildung, Tourismus, Raumnutzung. Naturparke bieten eine Antwort auf den fortschreitenden Landschaftsverlust und den schleichenden Flächenverbrauch in der Kulturlandschaft. Dieser stillen Zerstörung entgegenzuwirken ist eine der größten Herausforderungen für den Naturschutz in Mitteleuropa überhaupt.

Nach oben 

Mensch & Natur: Biosphärenparks

1976 startete die UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) ein neues Schutzprogramm mit dem Ziel, in Gebieten, in denen besondere Natur- und Kulturlandschaften nebeneinander vorkommen, eine nachhaltige Entwicklung zu forcieren. In Österreich gibt es fünf anerkannte UNESCO-Biosphärenparks: Lobau (Wien, 1977), Neusiedler See (Burgenland, 1977), Großes Walsertal (Vorarlberg, 2000), Wienerwald (Wien/Niederösterreich, 2005), Lungau/Nockberge (Salzburg/Kärnten, 2012).

Im Zentrum der Biosphärenpark-Idee steht die Erarbeitung von Modellen für die nachhaltige Regionalentwicklung gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung. Die Bewahrung biologischer Vielfalt und regionaler kultureller Werte werden mit sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung verbunden. UNESCO-Biosphärenparks stehen für das Zusammenleben von Mensch und Natur.

Biosphärenpark Wienerwald

Anlässlich des Millenniumsjahres 2002 gaben die Landeshauptleute Erwin Pröll und Michael Häupl den Startschuss für die Planung eines Biosphärenparks Wienerwald. Auf Basis der Machbarkeitsstudie Wienerwald 2002 - die unter Federführung des Umweltdachverbandes erstellt wurde - wurden in der Folge intensive Planungen und Vorbereitungsarbeiten geleistet. Seit Juni 2005 darf der Wienerwald offiziell das Gütesiegel Biosphärenpark tragen.

Nach oben


Foto: Wienerwald © Stefanie Schabhüttl