Artikel 17-Bericht

– die Lage der Natur in Österreich – Alarmstufe Rot!

Nach Artikel 17 der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie müssen die EU-Mitgliedstaaten alle sechs Jahre über den Erhaltungszustand sämtlicher Lebensräume und Arten von europäischem Interesse im gesamten Staatsgebiet Bericht an die EU-Kommission erstatten – zuletzt war dies für den Zeitraum 2007-2012 der Fall. Eine Pflicht, die auch Österreich trifft: Der nationale Artikel 17-Bericht bewertet den Erhaltungszustand von 74 Lebensraumtypen und 209 Arten und liefert ein Bild über den Status quo der biologischen Vielfalt in Österreich.

Ausgearbeitet wurde der Bericht vom Umweltbundesamt im Auftrag der Bundesländer und unter Beteiligung zahlreicher ExpertInnen und Institutionen. Neben der Zustandsbewertung gibt der Report Auskunft über die Auswirkungen von Erhaltungsmaßnahmen sowie über Gefährdungsursachen von Arten und Lebensräumen. Der Bericht soll ferner zur Verbesserung der Effizienz der Erhaltungsmaßnahmen beitragen und Ergebnisse europaweit messbar und vergleichbar machen. Die Analyse zeigt, dass geeignete Erhaltungsmaßnahmen zur Wiederherstellung von günstigen Erhaltungszuständen sowohl bei Lebensraumtypen als auch bei Arten getroffen werden müssen.

Bergmähwiese Ausseerland ©Mathilde Stalleger

Wiesensaum Ausseerland ©Mathilde Stalleger

80 % der Arten und Lebensraumtypen in ungünstigem Erhaltungszustand

Für die Bewertung der Schutzgüter wurden mehr als eine halbe Million Datensätze aus Monitoringdaten, Datenbanken und anderen Quellen wie Projektberichten oder ExpertInnenmitteilungen berücksichtigt. Die Ergebnisse der Auswertungen versetzen NaturschützerInnen in Alarm:

  • Nur bei 14 % aller bewerteten Lebensraumtypen ist der günstige Erhaltungszustand erreicht,
  • 41 % weisen einen unzureichenden und
  • 38 % einen schlechten Erhaltungszustand auf.

In der alpinen Region zeigen

  • 23 % einen günstigen,
  • 41 % einen unzureichenden und
  • 29 % einen schlechten Erhaltungszustand.

Besonders ungünstig fällt die Analyse der Lebensraumtypen in der kontinentalen Region aus:

  • 41 % präsentieren sich hier in unzureichendem,
  • knapp die Hälfte in schlechtem Zustand.
  • Nur für 4 % sieht die Lage günstig aus.

 

Auch bei den Arten ist der Anteil der Schutzgüter mit ungünstigem Erhaltungszustand in der kontinentalen Region höher als in der alpinen. Insgesamt befinden sich

  • 16 % der Arten in günstigem,
  • 47 % in unzureichendem und
  • 35 % in schlechtem Zustand.

Verglichen mit dem Bericht aus dem Jahr 2007 identifizierte man bei den Lebensraumtypen sechs tatsächliche Verschlechterungen, jedoch keine einzige echte Verbesserung.

Es ist höchste Zeit zu handeln!

Zudem wird prognostiziert, dass die positive Entwicklung der Schutzgüter in ungünstigem Zustand stagniert oder sich ihr Zustand künftig nur geringfügig verbessern wird. Bei einem Großteil der Arten in ungünstigem Erhaltungszustand wird sogar von weiterer Verschlechterung ausgegangen. Die FFH-Richtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten, einen günstigen Erhaltungszustand von Arten und Lebensräumen zu erreichen. Der Bericht verdeutlicht, dass dies in Österreich nicht der Fall ist, ja, dass sich die Lage sogar kontinuierlich verschlechtert – es besteht dringender Handlungsbedarf!

Die Ergebnisse des Artikel 17-Berichts Schutzgut pro Schutzgut für Österreich finden Sie hier.