Biosphärenparks
1976 startete die UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) ein neues Schutzprogramm mit dem Ziel, in Gebieten, wo besondere Natur- und Kulturlandschaften nebeneinander vorkommen, eine nachhaltige Entwicklung zu forcieren. In den letzten drei Jahrzehnten entstand in 107 Ländern ein weltweites Netz von insgesamt 553 Biosphärenparks, die nach dem Man and the Biosphere (MAB)-Programm eingerichtet wurden.
Funktionen eines Biosphärenparks
Ein Biosphärenpark verbindet den Schutz bedeutender Natur- und Kulturwerte und die Entwicklung nachhaltiger Nutzungsweisen.
Ein Biosphärenpark ist in 3 Zonen unterteilt:
1) In den Kernzonen haben Naturschutzziele Vorrang, die menschliche Beeinflussung soll möglichst gering gehalten werden.
2) Die Pflegezonen ermöglichen die Umsetzung von Arten- und Naturschutzbelangen im Konsens mit den Bewirtschaftern. Die menschlichen Aktivitäten in diesen Zonen müssen sich mit den Schutzbedürfnissen der Kernzone vereinbaren lassen. Wichtig dabei sind etwa die Beibehaltung und Fortentwicklung einer nachhaltigen Land- und Forstwirtschaft, unterstützt durch finanzielle Anreizsysteme oder durch vertragliche Vereinbarung mit den Grundeigentümern (Vertragsnaturschutz).
3) Die Entwicklungszone stellt den Lebens-, Wirtschafts- und Erholungsraum der Bevölkerung dar. Hier ist die Entwicklung modellhafter, Ressourcen schonender Nutzungsweisen, die den Ansprüchen von Mensch und Natur gleicher Maßen gerecht werden, das Ziel. In der Entwicklungszone liegen auch die Möglichkeiten für die Entwicklung und Förderung eines umwelt- und sozialverträglichen Tourismus, die Forcierung regenerativer Energieversorgung und die Stärkung regionaler Wertschöpfung.
Biosphärenparks in Österreich
Die sechs Biosphärenparks in Österreich erstrecken sich auf einer Fläche von etwa 1500 km² und lassen sich drei Kategorien zuordnen:
- die Forschungs- und Monitoringstätten: Gurgler Kamm (1977) und Gossenköllesee (1977),
- die Nationalpark-dominierten Biosphärenparks: Untere Lobau (1977) und Neusiedler See (1977) sowie
- die wirklichen Modellregionen für nachhaltige Entwicklung: Großes Walsertal (2000) und Wienerwald (2005).
Am 7. März 2006 wurde vom Österreichische MAB-Nationalkomitee eine nationaler Kriterienkatalog für Biosphärenparks in Österreich beschlossen, der auf den Anforderungen der Sevilla-Strategie basiert. Die dort enthaltenen Richtlinien sind ab sofort verbindlich für die Ausweisung neuer UNESCO-Gebiete, bestehenden Biosphärenparks wird eine Übergangszeit von fünf Jahren eingeräumt. Die Biosphärenparks Großes Walsertal und Wienerwald entsprechen den Kriterien bereits, bei den übrigen sind noch erhebliche Anstrengungen nötig, um auch weiterhin anerkannte UNESCO Biosphärenparks zu bleiben.
UNESCO Biosphärenpark Wienerwald
Der Wienerwald ist nicht nur wichtiger Naherholungsraum, sondern bietet auch Kostbarkeiten der heimischen Flora und Fauna ein Refugium. Unzählige gefährdete Pflanzenarten - wie der Österreichische Drachenkopf und die Türkenbundlilie - haben auf den Wienerwaldwiesen ebenso ihre Heimat wie Dutzende Brutvogelarten, darunter Wachtelkönig und Wiedehopf. Ferner finden im Wienerwald alle 10 europäischen Spechtarten, sowie Schwarzstorch, Eisvogel, Halsbandschnäpper, Haselhuhn & Co. Unterschlupf. All diese Kostbarkeiten der Natur brauchen Schutz. Schutzgebiete aller Art waren schon ausgewiesen, was fehlte, war ein umfassendes Konzept. Anlässlich des Millenniumsjahres 2002 gaben die Landeshauptleute Erwin Pröll und Michael Häupl den Startschuss für die Planung eines Biosphärenpark Wienerwald. Auf Basis der Machbarkeitsstudie Wienerwald 2002 - die unter Federführung des Umweltdachverbandes erstellt wurde - wurden in der Folge intensive Planungen und Vorbereitungsarbeiten geleistet. Seit Juni 2005 darf der Wienerwald offiziell das Gütesiegel Biosphärenpark tragen.
