Wasserkraft

Flüsse im Spannungsfeld der Interessen

Um den Anteil der erneuerbaren Energien zu steigern, legt Österreich einen starken Fokus auf den Ausbau der Wasserkraft. Das Ausmaß des weiteren Ausbaus der Wasserkraft in Österreich – aktuell bestehen österreichweit bereits ca. 5.000 Wasserkraftwerke, die für rund 1/10 der Energieversorgung (Brutto-Endenergieverbrauch für Strom, Wärme und Mobilität) verantwortlich sind – ist vor allem im Kontext der Zielerreichung nach Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) ein brisantes Thema: Bis 2027 sollen alle heimischen Gewässer in einen ökologisch guten Zustand gebracht werden. Derzeit befinden sich jedoch laut Entwurf des 2. Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplans (NGP) lediglich 37 % der Fließgewässer mit einem Einzugsgebiet >10 km2 in einem guten oder sehr guten Zustand. Die Ursache für diese prekäre Situation liegt vor allem in den rund 32.000 bestehenden Querbauwerken, die zum Zwecke des Hochwasserschutzes und/oder der Gewinnung von Energie aus Wasserkraft errichtet wurden und Fischlebensräume fragmentieren, da sie für diese unüberwindbare Wanderhindernisse darstellen. Der alarmierend hohe Grad an Belastung der mit diesen Fließgewässern in Verbindung stehenden Lebensräume und Lebewesen liegt auf der Hand – doch funktionierende Fließgewässer sind für den Erhalt der biologischen Vielfalt und für einen effektiven Klimaschutz unabdingbar!

Wasserkraft Schuett c EVN 1

© EVN

Kraftwerksplanungen drängen in die Schutzgebiete!

Als wesentliche Grundlage für die Diskussion um das Konfliktfeld Energieerzeugung und Natur- und Gewässerschutz, veröffentlicht der Umweltdachverband auf Basis umfassender Recherche jährlich eine Liste der aktuellen Wasserkraftwerksvorhaben – sowohl Lauf- als auch Speicherkraftwerke – mit besonderem Fokus auf jene, die in sensiblen Gebieten wie Natura 2000-Gebieten lokalisiert sind oder an Gewässerstrecken liegen, an welchen nach WRRL Maßnahmen zur Verbesserung des ökologischen Zustandes erforderlich sind. Erschreckende Tatsache: Der Großteil (ca. 80 %) der geplanten Wasserkraftwerke ist an Gewässerstrecken mit (sehr) gutem ökologischem Zustand oder in geschützten Gebieten wie Natura 2000-Gebieten, Nationalparks oder Naturdenkmälern verortet! Diesem Trend muss – im Sinne der Erfüllung der Umweltziele nach der Wasserrahmenrichtlinie und im Sinne einer intakten Gewässerlandschaft – unbedingt Einhalt geboten werden!

Der Umweltdachverband setzt sich daher dafür ein, dass Wasserkraftbetrieb und –ausbau – wie alle anderen erneuerbaren Energieträger – nur Hand in Hand mit den Anforderungen des Natur-, Landschafts- und Gewässerschutzes und im Kontext überregionaler Raumplanung erfolgen. Die strikte Einhaltung der Zielvorgaben nach Wasserrahmenrichtlinie (Verschlechterungsverbot, guter ökologischer Zustand u. a.) sowie die ambitionierte Umsetzung der Nationalen Gewässerbewirtschaftungspläne sind erforderlich, um die letzten unberührten Fließstrecken Österreichs langfristig zu sichern.

Broschüre „Gewässer schützen – Wasserkraft nützen“

Wie der Spagat zwischen Gewässerschutz und Energienutzung durch Wasserkraft gelingen kann, zeigt der Umweltdachverband – neben vielen wertvollen Hintergrundinformationen zum Thema – in seiner Broschüre „Gewässer schützen – Wasserkraft nützen“ auf (entstanden im Zuge des Projekts „Gemeingut Wasser“ in Kooperation mit dem Österreichischen Fischereiverband).