Mit Herz & Verstand für Natur & Umwelt
Gegründet wurde der Umweltdachverband als «Österreichische Gesellschaft für Natur- und Umweltschutz» (ÖGNU) 1973. Bei der konstituierenden Sitzung am 27. März gründeten die Naturfreunde, der Alpenverein, der Touristenklub, der Naturschutzbund und die Bergwacht die ÖGNU, um dem aufkeimenden Ökologiegedanken in unserem Land zum Durchstart zu verhelfen. Erster Präsident war Dr. Herbert Moritz (März 1973 bis Dezember 1984), ihm folgten Dr. Herbert Salcher (Dez. 1984 bis Juni 1986) und Bürgermeister Alfred Stingl (Juni 1986 bis Juni 1993). Seit 17 Jahren steht Dr. Gerhard Heilingbrunner an vorderster Front des Umweltdachverbandes. Als GeschäfstführerInnen fungierten Helfried Ortner (Juni 1973 bis Dezember 1974), Dr. Erhard Zach (Jänner 1975 bis Mai 1978), Dr. Franz Hiess (bis November 1978), DI Dr. Heinz Kaupa (November 1978 bis Juni 1983), DI Walter Scharf (Juni 1983 bis September 1992), Mag. Willi Linder (Jänner 1993 bis August 1993), Dr. Bernadette Damböck (September 1993 bis August 1994), Mag. Franz Maier (September 1994 bis Juli 2008) sowie seit August 2008 Mag. Michael Proschek-Hauptmann.
Ökologie-Themen in Öffentlichkeit verankern
Die Anfangsjahre waren geprägt vom Einsatz in Sachen Abfallwirtschaftspolitik, Deponietechnik, Müllvermeidung sowie Wasser- und Abwasserfragen. Darüber hinaus lautete das Ziel, Ökologie-Themen in einer breiteren Öffentlichkeit zu verankern. 1983 wurde deshalb die ARGE Umwelterziehung gegründet, die sich mit Unterstützung des Umwelt- und des Bildungsministeriums in den letzten zwei Jahrzehnten als FORUM Umweltbildung zur zentralen Kraft in Sachen ökologischer Bildung gemausert hat. Dass der Umweltdachverband mitunter auch auf die Barrikaden stieg, um der Bevölkerung vor Ort erfolgreich Beistand zu leisten, zeigte sich am Beispiel der Schotternarben in der Natur - hier wurden die Unzulänglichkeiten des Berggesetzes deutlich, und es galt, die scheinbare Allmacht der Bergbehörden zu brechen - was gemeinsam mit vielen betroffenen Gemeinden und Bürgerinitiativen in den 1990er Jahren gelang. Jetzt sind im Mineralrohstoffgesetz (MinRog) sowohl Umwelt- als auch Bürger- und Anrainerrechte verankert.
Einsatz für Schutzgebiete von Anfang an
Der UWD engagierte sich von Beginn an für die heimischen Nationalparks und verhalf in den 80er Jahren damit dem Nationalpark Hohe Tauern zum Durchbruch. Gerhard Heilingbrunner war mitverantwortlich, dass in den Donau-Auen bei Hainburg heute kein Kraftwerk steht, sondern eine der letzten unverbauten Flussauen seit 1996 durch einen Nationalpark geschützt ist. 1997 waren die Kalkalpen reif für die IUCN-Anerkennung. Hier hatte Franz Maier, 1994-2008 GF des UWD, Anteil an der Realisierung. Maßgebliche Beiträge leistete der UWD auch für den Nationalpark Thayatal und das Gesäuse.
Gemeinsam mit dem Verband der Naturparke Österreichs (VNÖ) wurde 1999 mit dem «Jahr der Naturparke» ein Aufschwung und eine Weiterentwicklung der Naturparks eingeleitet. Wegbereiter für das UNESCO-Welterbegebiet Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut war Hubert Trimmel, Vizepräsident des UWD, Ehrenpräsident des VÖH. und Ehrenvorsitzender von CIPRA Österreich.
Last but not least geht auch der entscheidende Antrieb für den Biosphärenpark Wienerwald auf die Initiative des UWD zurück. Seit Ende der 90er Jahre setzt sich der UWD weiters dafür ein, das europaweite Naturschutznetzwerk Natura 2000 in Österreich umzusetzen und ein Netz an Gebieten zum Schutz von bedrohten Tier- und Pflanzenarten und deren Lebensräumen auszuweisen.
Neues österreichisches Atomhaftungsgesetz erkämpft
Der intensive Einsatz des Umweltdachverbandes für ein neues österreichisches Atomhaftungsgesetz trug Früchte: 1998 wurde das Bundesgesetz über die zivilrechtliche Haftung für Schäden durch Radioaktivität (Atomhaftungsgesetz 1999) zum Schutze der Interessen der ÖsterreicherInnen gegenüber ausländischen Atomkraftwerken beschlossen. 1999 folgte das Bundesverfassungsgesetz für ein atomfreies Österreich.
Herausragende Erfolge: Alpenkonvention & Alpenschutz
Nicht nur im Jahr der Berge 2002 legte der Umweltdachverband den Fokus seiner Aktivitäten auf eines der sensibelsten heimischen Ökosysteme. Im Schulterschluss mit dem Alpenverein und der CIPRA wurde bereits jahrelang an der Umsetzung der Alpenkonvention gearbeitet, bis im Jahr 2002 schließlich Meilensteine erreicht wurden: Zuerst mit der Entscheidung, das Ständige Sekretariat der Alpenkonvention nach Innsbruck zu vergeben. Danach mit der Erfüllung einer lange gehegten Forderung: die Durchführungsprotokolle für die Alpenkonvention traten mit 18. Dezember 2002 endgültig in Kraft.
Ausverkauf lebenswichtiger Ressourcen gestoppt
In den letzten Jahren hat sich der UWD immer wieder erfolgreich gegen den Ausverkauf lebenswichtiger Ressourcen gerichtet. Im Zuge der Ausgliederung der Bundesforste als Aktiengesellschaft 1996/97 konnte eine Substanzerhaltungsverpflichtung erreicht werden. Weiters gelang es, einen Verkauf wichtiger heimischer Seen - wie etwa Atter- und Wörthersee - zu vereiteln. Außerdem wurde der Verkauf des Warschenecks und des Revieres Wildalpen - der Quellschutzwälder der Stadt Wien - sowie die Veräußerung wertvoller Wienerwaldwiesen verhindert.