Nachlese Nationale Vernetzungskonferenz

„Biodiversität & LEADER – Initiative, Ideen und Impulse“

Die Konferenz, die vom Umweltdachverband gemeinsam mit der ÖAR Regionalberatung am 30. Mai 2017 in Steyr durchgeführt wurde, hatte zum Ziel, die Vernetzung von interessierten LEADER-Regionen und AkteurInnen aus den Bereichen Natur- und Kulturlandschaftsschutz, Regionalentwicklung und Verwaltung zu stärken. Zudem sollte der Austausch über neue Ideen und über die Abwicklung von Projekten zum Thema Biodiversität und Kulturlandschaft über LEADER gefördert und diesbezügliche Herausforderungen lösungsorientiert diskutiert werden. Durch die Vermittlung erfolgreicher LEADER-Projekte aus ganz Österreich, mit besonderem Blick auf Biodiversitätsschutz, wurden neue Initiativen angeregt und auch aufgezeigt, dass biologische Vielfalt einen Mehrwert für die Region hat.

Sie finden die Veranstaltungsankündigung und das Programm hier.

Nach der Begrüßung durch den Geschäftsführer des Umweltdachverbandes, Gerald Pfiffinger und den Obmann der LEADER-Region Nationalpark Kalkalpen, Christian Dörfel, widmete sich der erste Block der Konferenz dem Status Quo und den Möglichkeiten von LEADER. Dazu präsentierte Christa Rockenbauer-Peril (BMLFUW) einen informativen Vortrag über die rechtlichen Rahmenbedingungen der Förderschiene LEADER. Die anschließende Diskussion drehte sich vor allem um den im Vergleich zur letzten Förderperiode größeren bürokratischen Aufwand für LEADER-Projekte, sowie um die Schwierigkeit für ProjektwerberInnen, Eigenmittel aufzustellen. Ein Kritikpunkt betraf außerdem den Aufwand bei der Einreichung von Kleinprojekten, welcher im Verhältnis zum möglichen Fördergeld zu groß sei.

Michael Fischer (ÖAR Regionalberatung GmbH) präsentierte die Ergebnisse der Statuserhebung zum Thema Biodiversität & LEADER, die im Frühjahr 2017 unter LEADER-ManagerInnen und Naturschutz-AkteurInnen durchgeführt wurde. Kerstin Friesenbichler (Umweltdachverband) erläuterte in einem Kurzinterview die Inhalte des Projekts „Biodiversität & LEADER“ und die wichtige Rolle von Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen für Regionen.

Im zweiten Block der Konferenz drehten sich die Vorträge um das Thema Erhalt der Biodiversität auf verschiedenen Ebenen mit Schwerpunkt auf „Vernetzung“. Dazu referierte Horst Leitner (Büro für Wildökologie & Forstwirtschaft) über die rechtlichen Rahmenbedingungen, Problematiken (Verknappung des Raums für Tier und Mensch) und den Status Quo in der Lebensraumvernetzung in Österreich. Die darauffolgende Diskussion beschäftige sich vor allem damit, wie man die Lebensraumvernetzung bestmöglich vorantreiben könnte. Es wurde die Regionalebene als entscheidende Arbeitsebene identifiziert.
Christoph Nitsch (Nationalpark Kalkalpen) berichtete über das Projekt „Netzwerk Naturwald“, welches sich der ökologischen Vernetzung der drei Schutzgebiete Nationalpark Kalkalpen, Nationalpark Gesäuse und Wildnisgebiet Dürrenstein widmet und darüber, wie man diese aus touristischer Sicht bestmöglich vermarkten könnte. Die anschließenden Fragen behandelten vor allem die zum Teil entgegengesetzten Bedürfnisse des Tourismus und des Naturschutzes, und wie diese Diskrepanz zu lösen sei, z. B. indem man den Tourismus als Chance zur Bewusstseinsbildung sieht.
Anschließend zeigten Andreas Zeman (LAG nordburgenland) und Thomas Ellmauer (Umweltbundesamt) in einem positiven Beispiel aus dem Nordburgenland, wie mit einem Gemeindeschutzgebiet dem Biodiversitätsverlust sinnvoll entgegengewirkt werden kann und wie ein richtiges Netzwerk an solchen Gebieten aufgebaut werden kann.
Im letzten Vortrag dieses Blocks präsentierte Doris Landertinger (Naturschutzbund Österreich) das „vielfaltleben-Gemeindenetzwerk“, indem sie unterschiedliche Gemeindeinitiativen vorstellte und die diversen Möglichkeiten von Gemeinden, für den Schutz der Biodiversität aktiv zu werden, hervorhob.

Ideenaustausch

Der dritte Block der Veranstaltung widmete sich dem Transfer von Impulsen für neue Initiativen in den LEADER-Regionen. In drei parallelen Foren wurden Herausforderungen und Lösungsmöglichkeiten diskutiert. Als Kurzimpuls wurden je zwei Best-Practice-Beispiele aus LEADER-Regionen vorgestellt, die danach in einer Diskussion auch auf ihre Umsetzbarkeit in anderen Regionen geprüft wurden.

Forum 1: Wertvolle Flächen in LEADER schützen – regionale Biodiversitätsschätze erhalten

Moderation: Friedrich Veider (LAG Region Hermagor)

Nach der Vorstellungen zweier LEADER Projekte von Felix Fößleitner (LEADER-Region Nationalpark Kalkalpen) und Peter Mikota (Kulturlandschaftspflegeverband Ennstal) sowie von Hany Dvorak (Regionalmanagment Wipptal) wurde darüber diskutiert, inwiefern LEADER helfen kann, Arten und Lebensräume auf der Fläche zu schützen. Man kam zu dem Ergebnis, dass LEADER ein großes Potential zur Umsetzung von Schutzmaßnahmen hat, da es Projekte an der Schnittstelle zwischen Regionalentwicklung und Naturschutz ermöglicht. Das kreative Potential von LEADER wurde als hoch eingestuft. So konnten innerhalb dieser Fördermaßnahme schon viele innovative Ideen umgesetzt werden, die in anderen Förderprogrammen so nicht möglich gewesen wären. Eine Frage, die in diesem Forum aufgeworfen wurde, ist, wie bestmöglich eine große Wertschöpfung aus dem Naturschutz generiert werden kann. Um dies herauszufinden, wäre z. B. eine Beispielsammlung aus Europa sinnvoll.

Forum 2: Wertschöpfung durch Biodiversitätsschutz in LEADER-Regionen schaffen

Moderation: Marelli Asamer-Handler (Verband der Naturparke Österreichs)

Das zweite Forum wurde mit spannenden Projektvorstellungen durch Philipp Lammer (Arche Noah) und Stephanie Prüller (LEADER-Region Tourismusverband Moststraße) begonnen. Eine anschließende Diskussion befasste sich mit Wertschöpfung aus dem Naturschutz.
Zuerst wurden Hürden im Zusammenhang mit diesem Thema identifiziert. Dabei wurde u. a. die 3-Jahres-Beschränkung von LEADER-Fördermaßnahmen genannt, die zu kurz sei, um daraus nachhaltige Wertschöpfung zu generieren.
Die DiskussionsteilnehmerInnen nannten viele gute Lösungsansätze, wie etwa, dass Biodiversität stärker in den Tourismus integriert und Netzwerke innerhalb der Landwirtschaft geschaffen werden sollen, welche die Agrarpolitik aktiv mitgestalten können.
Es wurde auch vorgeschlagen, sich am Beispiel Deutschland zu orientieren und durch Gründung von Landschaftspflegeverbänden die lokale Bevölkerung mehr in Naturschutz und Landwirtschaft einzubinden.

Forum 3: Vielfalt vermitteln: Biodiversitätsbewusstsein in LEADER-Regionen steigern

Moderation: Klaus Wanninger (LACON, Technisches Büro für Landschaftsplanung)

Im 3. Forum der Vernetzungskonferenz wurden ein Best-Practice-Beispiel von Wolfgang Bacher (Natopia) und ein weiteres von Renate Mihle (LEADER Region Weinviertel-Manhartsberg) vorgestellt.
Die darauf folgende Diskussion beschäftige sich mit dem Bewusstsein für Biodiversität in den Regionen und damit, wie mit Reibungspunkten, vor allem auf land- und forstwirtschaftlichen Flächen, umgegangen werden kann. Die vorgestellten Projekte können in andere Regionen eins zu eins übertragen werden, wenn diese in Bezug auf Naturraum und Problemstellung vergleichbar sind. Dazu wäre eine vollständige Sammlung existierender Projekte, an denen man sich orientieren kann, sinnvoll – besser genutzt werden könnte hier die Netzwerk Zukunftsraum Land-Projektdatenbank.
Als große Hürde in der LEADER-Förderung wurde die Vorfinanzierung identifiziert. Eine Lösung, welche gleichzeitig das Biodiversitätsbewusstsein erhöhen kann, wären Finanzierungsmittel wie Crowdfunding, also eine Kapitalgebung durch eine Vielzahl von Personen. Eine andere Möglichkeit wäre die stärkere Einbindung von Unternehmen, welche die Vorfinanzierung und/oder Eigenmittel eines Projekts tragen, sich so im Naturschutz engagieren und gleichzeitig an ihrem CSR-Profil arbeiten könnten.

Von der Idee zur Umsetzung

Nach den Foren folgte als Abschluss der Veranstaltung eine Podiumsdiskussion. Sie wurde von Robert Lukesch (ÖAR Regionalberatung GmbH) moderiert, der durch den Tag führte. Am Podium saßen verschiedene AkteurInnen aus den Bereichen LEADER und Regionalentwicklung, Verwaltung, Naturschutz und Bildung:

  • Wolfgang Löberbauer (Amt der OÖ Landesregierung),
  • Felix Fößleitner (LEADER-Region Nationalpark Kalkalpen),
  • Dagmar Thaller (HLFS St. Florian),
  • Karin Hochegger (Europaschutzbetreuerin),
  • Birgit Haring (Regionalmanagerin – LEADER Südsteiermark) und
  • Gerald Pfiffinger (Umweltdachverband).

Folgende, für die Umsetzung von Biodiversitätsprojekten über LEADER zentrale Punkte wurden identifiziert:

  • AntragstellerInnen sollen keine Scheu haben, eine Idee umzusetzen. Die LEADER-ManagerInnen sind für die Beratung zur Umsetzung von Projekten zuständig und können Hilfestellung leisten. Es sollen in dieser Förderperiode noch möglichst viele Projekte umgesetzt werden, und dafür sind aktive AkteurInnen notwendig. Es ist wichtig, dass diese, frei nach dem Bottom-up-Prinzip, die Schwerpunkte in der Region setzen.
  • In der nächsten Förderperiode soll es eine Vereinfachung in der Antragsmodalität geben. In Brüssel wird es z. B. noch dieses Jahr eine Konferenz zur Bagatellgrenze bei LEADER-Projekten geben.
  • Jugendarbeit darf nicht vernachlässigt werden. Darum sind auch Schulen wichtige LEADER-Partner, denn hier werden die AkteurInnen der Zukunft ausgebildet. Die HLFS St Florian hat beispielsweise sehr gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit der LEADER-Region Nationalpark Kalkalpen gemacht.
  • Gute LEADER-Projektideen im Naturschutz zeichnen sich durch breit gefächerte ProjektpartnerInnen aus, die eine große Akzeptanz erwirken können. LEADER ist ein gutes Instrument im Naturschutz und kann regionales Interesse wecken. Jedoch muss der Förderanteil höher und der Eigenmittelanteil geringer sein, damit LEADER attraktiv bleibt.
  • Es ist wichtig, dass bei jedem neu eingereichten LEADER-Projekt schon alle Schritte im Vorfeld plant werden, um das Projektziel zu erreichen. Es sollte eine ausreichende Vernetzung der AkteurInnen geben, um das Projekt auch nach Auslauf der Förderperiode nachhaltig zu finanzieren. Daher ist es auch wichtig, Landwirtschaft, Gastronomie und Wirtschaft zu verknüpfen, um die nötigen Eigenmittel zu stellen.

Fotogalerie

(alle Fotos © Umweltdachverband)

Die Konferenz fand im Rahmen des Projekts „Biodiversität & LEADER III“ statt, das vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft und der EU gefördert wird. Das Projekt ist Teil der Biodiversitätsinitiative vielfaltleben des BMLFUW gemeinsam mit vielen Partnern. vielfaltleben hat sich den Erhalt der Vielfalt in Österreich zur Aufgabe gemacht.