Kreislaufwirtschaft in Österreich stärken

Der signifikante Anstieg im globalen Verbrauch natürlicher Ressourcen und die daran gekoppelte Abfallmenge gehören zu den größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Die Ressourcen der Erde werden zunehmend knapper – das betrifft sowohl Rohstoffe also auch die Kapazität der Erde, Abfallprodukte des menschlichen Lebens aufzunehmen. Unser Projekt „Kreislaufwirtschaf in Österreich stärken“ zielt darauf ab, im Dialog mit Stakeholder:innen Risiken, Chancen und Lösungen aufzuzeigen und so die nationale Umsetzung der EU-Gesetzgebung zur Kreislaufwirtschaft zu stärken.

Die Frage, wie wir den Ressourcenverbrauch reduzieren und anfallenden Abfall sinnvoller verwerten können, hat in der gesellschaftlichen und politischen Debatte der letzten Jahre deutlich an Relevanz gewonnen und vielfältige Lösungsansätze hervorgebracht. Dem Konzept der Kreislaufwirtschaft kommt in diesem Zusammenhang eine führende Rolle zu.

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Foto: © axz 700/shutterstock.com

Im Wesentlichen zielt das Konzept der Kreislaufwirtschaft darauf ab, dass Rohstoffe innerhalb eines geschlossenen Kreislaufs wiedergenutzt und recycelt werden und am Ende kaum noch Abfälle entstehen. Damit unterscheidet es sich vom gegenwärtigen Wirtschaftssystem, das nach dem sogenannten Durchflussprinzip organisiert ist („take, make, consume and dispose“, auch als „lineare Wirtschaft“ bezeichnet).

Die Kreislaufwirtschaft setzt bereits beim intelligenten Design von Produkten und Werkstoffen an und umfasst den gesamten Lebenszyklus von Gütern und Dienstleistungen. Am Ende seines Lebenszyklus soll ein Produkt möglichst vollständig verwertet und die in ihm enthaltenen Rohstoffe zurückgewonnen werden können. In die Gesamtbetrachtung fallen auch Material-, Wasser- und Energiereduzierung während der einzelnen Produktionsschritte.

Von einer Kreislaufwirtschaft verspricht man sich nicht nur eine deutliche Entlastung der Umwelt, sondern auch wirtschaftliche Vorteile. In dem Maß, in dem es gelingt, wertvolle Rohstoffe im Kreislauf zu halten sinkt die Abhängigkeit der Unternehmen von zunehmend teuren und oftmals schwankenden Rohstoffimporten. Die Senkung der Produktionskosten steigert die Wettbewerbsfähigkeit. Neue Geschäftsmodelle, Produkte, Dienstleistungen und damit auch Arbeitsplätze entstehen.

Der systemische Ansatz der Kreislaufwirtschaft erfasst nicht nur Technologie, Ökologie und Abfallbewirtschaftung sondern auch soziale, politische und kulturelle Aspekte. Der Übergang von einer Linear- zu einer Kreislaufwirtschaft erfordert daher Innovation auf allen Ebenen. Die Einbeziehung aller Stakeholder, insbesondere auch der Verbraucher:innen und Bürger:innen, sowie die enge Zusammenarbeit zwischen Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sind für die Umgestaltung essenziell und müssen aktiv gefördert werden.

Im Dezember 2015 veröffentlichte die Europäische Kommission das sogenannte Kreislaufwirtschaftspaket und hat damit eine der maßgeblichsten Änderungen im Bereich der Umwelt- und Wirtschaftspolitik der letzten Jahre angestoßen. Ziel ist die Schaffung einer stärker kreislauforientierten Wirtschaft, bei der es darum geht, den Wert von Produkten, Stoffen und Ressourcen innerhalb der Wirtschaft so lange wie möglich zu erhalten und möglichst wenig Abfall zu erzeugen. Durch intelligentes Produktdesign, mehr Recycling und Wiederverwendung soll „der Kreislauf“ der Produktlebenszyklen zunehmend geschlossen und eine wirksamere Wertschöpfung und Nutzung aller Rohstoffe, Produkte und Abfälle erreicht werden. Das Paket besteht aus zwei Teilen:

  • dem sogenannten Abfallpaket, das sich aus vier Gesetzgebungsvorschlägen für den Abfallbereich zusammensetzt und
  • einem umfangreichen Aktionsplan

Im Jahr 2020 folgte der neue Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft der EU, welcher unter anderem Kunststoffe und Textilien als zentrale Produktwertschöpfungskette ausmachte. 

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Foto: © Alice Eden/shutterstock.com

Das Projekt

Übergeordnetes Ziel des Projektes ist es, die Umsetzung von EU-Gesetzgebung zur Kreislaufwirtschaft im Rahmen strukturiert aufgesetzter bundesweiter Multi-Stakeholder-Prozesse zu unterstützen und damit die Kreislaufwirtschaft in Österreich stärken. Chancen und Herausforderungen, Risiken und Möglichkeiten sollen aus der Sicht der unterschiedlichen Stakeholder:innen erarbeitet und erste Lösungsansätze entwickelt werden.

Das vorliegende Projekt fokussiert sich auf drei aktuelle Themenschwerpunkte, die aufgrund aktueller EU-Vorgaben zur Kreislaufwirtschaft für die Umsetzung der Kreislaufwirtschaft in Österreich besonders dringlich sind.

  • Textilien – Abfallvermeidung, Wiederverwendung und Vorbereitung zur Wiederverwendung
  • Textilien – Neue Konzepte und Finanzierungslösungen in der Textilsammlung
  • Kunststoffe und Landwirtschaft

Konkret bedeutet das, die aktuellen Herausforderungen im Hinblick auf die Umsetzungspflicht der EU-Gesetzgebung zur Kreislaufwirtschaft für den jeweiligen Themenschwerpunkt zu erörtern, relevante nationale AkteurInnen zu identifizieren und zusammenzubringen, Bewusstsein zu schaffen, mögliche Zielkonflikte aufzuzeigen und gemeinsame erste Lösungsansätze zu entwickeln.

Der gewählte Bottom-up-Ansatz strebt Konsens und Motivation in der konkreten Praxis an. Damit werden viele Beiträge zur Schaffung von Lösungen in den Themenschwerpunkten erst möglich, welche nicht nur für die Erreichung von Klimaschutz- und Naturschutzzielen, sondern auch von nachhaltigen wirtschaftlichen Zielsetzungen dringend geboten scheint.

Projektinfos kompakt


Projektstart: Juni 2019
Laufzeit: 35 Monate


Gefördert durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus, das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie sowie die Europäische Union im Rahmen des Österreichischen Programms für die Ländliche Entwicklung 2014-2020.

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