Artikel 17-Bericht

Die Lage der Natur in Österreich – Alarmstufe Rot!

Alle sechs Jahre wird gemäß des Artikels 17 der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ein Bericht über den Erhaltungszustand der Lebensraumtypen und Arten von gemeinschaftlichem Interesse von der Europäischen Union und ihren Mitgliedsstaaten (siehe hier) erstellt.

Mittlerweile gibt es Artikel 17-Berichte für die Perioden 2000-2006 (Bericht 2007), 2007-2012 (Bericht 2013) und 2013-2018 (Bericht 2019).

Ausgearbeitet wurde der österreichische Bericht vom Umweltbundesamt im Auftrag der Bundesländer und unter Beteiligung zahlreicher Expert*innen und Institutionen. Neben der Zustandsbewertung gibt der Report Auskunft über die Auswirkungen von Erhaltungsmaßnahmen sowie über Gefährdungsursachen von Arten und Lebensräumen. Der Bericht soll ferner zur Verbesserung der Effizienz der Erhaltungsmaßnahmen beitragen und Ergebnisse europaweit messbar und vergleichbar machen. Die Analyse zeigt, dass geeignete Erhaltungsmaßnahmen zur Wiederherstellung von günstigen Erhaltungszuständen sowohl bei Lebensraumtypen als auch bei Arten getroffen werden müssen.

Der österreichische Artikel 17-Bericht von 2019  gibt einen Überblick über das österreichische Monitoring von 31 Lebensraumtypen und 38 Arten auf nahezu 5000 Untersuchungsflächen. Zusätzlich bewertet er den Erhaltungszustand von 71 Lebensraumtypen und 211 Arten für den Zeitraum von 2013-2018 und liefert ein Bild über den Status quo der biologischen Vielfalt in Österreich.

 

Bergmähwiese Ausseerland ©Mathilde Stalleger

Wiesensaum Ausseerland ©Mathilde Stalleger

 

80% der Arten und Lebensraumtypen in ungünstigem Erhaltungszustand

Für die Bewertung der Schutzgüter wurden knapp 600.000 Datensätze (im Zeitraum 1995-2018) aus Monitoringdaten, Datenbanken und anderen Quellen wie Projektberichten oder Expert*innenmitteilungen berücksichtigt.

Die Ergebnisse der Auswertungen versetzen Naturschützer*innen in Alarm:

  • Nur bei 18 % aller bewerteten Lebensraumtypen und 14% der Arten ist der günstige Erhaltungszustand erreicht,
  • 35 % der Lebensraumtypen (48% der Arten) weisen einen unzureichenden und
  • 44 % der Lebensraumtypen (34% der Arten) einen schlechten Erhaltungszustand auf.

In der alpinen Region zeigen

  • 27 % der Lebensraumtypen sowie 16 % der Arten einen günstigen,
  • 37 % der Lebensraumtypen (49% der Arten) einen unzureichenden und
  • 33 % der Lebensraumtypen (32% der Arten) einen schlechten Erhaltungszustand.

Besonders ungünstig fällt die Analyse der Lebensraumtypen in der kontinentalen Region aus:

  • 33 % der Lebensraumtypen (47% der Arten) präsentieren sich hier in unzureichendem,
  • 56% der Lebensraumtypen (37% der Arten) in schlechtem Zustand.
  • Nur für 7 % der Lebensraumtypen (12% der Arten) sieht die Lage günstig aus.

Die Auswertung des Erhaltungszustandes von ganzen Ökosystemen basierend auf Lebensraumtypen zeigt folgendes Bild: Felsen, Wälder, Heiden und Gebüsche zeigen relativ günstige Erhaltungszustände, wohingegen Moore, Süßwasserlebensräume, Dünen und Salzlebensräume schlechter abschneiden. Zu diesem Ergebnis kam auch schon der Bericht von 2013.

 

Es ist höchste Zeit zu handeln!

Zusammenfassend kann man sagen, dass sich nur knapp ein Fünftel der Lebensraumtypen und ein Siebentel der Arten in einem günstigen Erhaltungszustand befinden.

Vergleicht man alle drei Berichtsperioden miteinander, hat sich der Zustand von 70% der Arten (davon 66% in ungünstigem Erhaltungszustand) sowie 80% der Lebensraumtypen (68% in ungünstigem Erhaltungszustand) in den Jahren von 2000 bis 2018 nicht verändert. Bei 3% der Lebensraumtypen und 10% der Arten kam es zu einer Verbesserung des Erhaltungszustandes.

Die FFH-Richtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten, einen günstigen Erhaltungszustand von Arten und Lebensräumen zu erreichen. Der Bericht verdeutlicht, dass dies in Österreich nicht der Fall ist, ja, dass sich die Lage sogar kontinuierlich verschlechtert – es besteht dringender Handlungsbedarf!