„Natur erleben, Umwelt verstehen“: Machen zeitige Frühblüher den Klimawandel sichtbar?

  • Wärmere Temperaturen machen sich bei Frühblühern bemerkbar
  • Umweltdachverband ruft unter dem Motto „Natur erleben, Umwelt verstehen“ zum Frühjahrsspaziergang mit Entdeckerfreude auf

Wer dieses Wochenende einen Waldspaziergang macht, hat gute Chancen, die ersten Blüten zu entdecken. Zu den frühesten heimischen Frühblühern zählen u. a. Schneeglöckchen, Leberblümchen, Krokusse und Schneerosen. Mit etwas Verzögerung sind dann auch Bärlauch, Buschwindröschen, Hänsel und Gretel und Himmelschlüssel zu erwarten. Zu den späten Frühblühern gehören Narzissen oder Tulpen. Denn die Blütezeit der Geophyten, allgemein als Frühlings- oder Frühblüher bekannt, beginnt in diesen Tagen in vielen österreichischen Wäldern besonders früh und läutet den phänologischen Frühlingsbeginn ein. Anlässlich des farbenfrohen Naturschauspiels möchte der Umweltdachverband unter dem Motto „Natur erleben, Umwelt verstehen“ alle Menschen dazu anregen, den nächsten Spaziergang im Grünen für die Auseinandersetzung mit der Natur zu nutzen: Warum sind es gerade die zartesten Blümchen, die dem harten Winter als erste die Stirn bieten und nicht etwa die kräftigen Bäume? Und was hat der Klimawandel mit der Frühblüte zu tun?

Wertvolles Naturwissen für den Frühjahrsspaziergang
Ausschlaggebend für den Zeitpunkt der ersten Blüte der Frühblüher ist das Verhältnis von Wärme und Lichteinstrahlung über dem Boden. Die Geophyten müssen das „richtige“ Zeitfenster abpassen: warm genug um nicht zu erfrieren aber auch rechtzeitig vor dem Laubaustrieb der Bäume und Sträucher, um genügend Licht zu bekommen. Denn sobald die Kronen der Bäume erst einmal geschlossen sind, fehlt den Frühblühern Licht und somit Energie zum Wachsen – und die Lebensphase über dem Boden im Jahreszyklus ist auch schon wieder beendet. Da die oberirdischen Pflanzenteile nur relativ kurze Zeit überleben können, haben die Geophyten unter der Oberfläche eine Besonderheit ausgebildet: Mithilfe tief gelegener Speicherorgane überdauern sie unter der Erde in Form von Zwiebeln, Knollen, Rhizomen oder Wurzelstöcken für sie ungünstige Lebensbedingungen.

Zeichen für den fortschreitenden Klimawandel?
Nach Ansicht des Umweltdachverband-Klimaexperten Gregor Danzinger macht ein zeitiger Frühling alleine noch keinen Klimawandel aus, erst das gehäufte Auftreten „zeitiger Frühlingsbeginne“ ist ein Indiz für die Klimaerwärmung. Und in der Tat ist genau das zu beobachten: „Im Durchschnitt läuten die Frühblüher den Frühling immer zeitiger ein, pro Jahrzehnt mindestens um einen Tag. Je Grad Temperaturerhöhung beginnen die Pflanzen ca. eine Woche früher zu blühen. Seit den 50er-Jahren hat sich die durchschnittliche jährliche Vegetationsdauer um etwa zwei Wochen verlängert, da mit dem Klimawandel auch der phänologische Herbst länger andauert! Angesichts der hübschen Frühblüte dürfen wir uns nicht täuschen lassen: Der Klimawandel hat auch in diesem Fall vorwiegend negative Auswirkungen. So steigt etwa mit einem früheren Vegetationsbeginn auch das Risiko von Frostschäden – und daraus folgenden Ernteausfällen.“

Wichtige Naturbeobachtungen kann jeder machen: Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) sucht Freiwillige, die durch phänologische Beobachten einen wichtigen Forschungsbeitrag leisten. Alle Infos unter http://www.phenowatch.at/

Pressefotos und Hintergrundinformationen
Die Pressefotos können mit Quellenhinweis im Rahmen einer Berichterstattung zu dieser Presseaussendung verwendet werden:
Schneeglöckchen, Foto: Heinrich Wicke
Schlüsselblume, Foto: Angelika Schöbinger-Trauner
Schneerose, Foto: Umweltdachverband

Hintergrundinformationen zu ausgewählten Frühblühern (PDF-Download)

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