Nachruf Naturschutz
Hofrat Dipl.-Ing. Nikolaus Hinterstoisser verstorben

Nikolaus Hinterstoisser mit seiner Gattin. ©privat
Im 98. Lebensjahr verstarb am 2. Juli 2023 der frühere Leiter der Landschaftlichen Forstverwaltung Zell am See Hofrat Dipl.-Ing. Nikolaus Hinterstoisser. Als Sohn eines bundesforstlichen Revierförsters im Oberen Mürztal geboren interessierte er sich von Jugend an für Wald, Wild und Natur. Nach Kriegsdienst und französischer Kriegsgefangenschaft studierte er an der Hochschule für Bodenkultur in Wien Forstwirtschaft. An seine Graduierung 1950 schlossen sich Tätigkeiten bei der Forsteinrichtung der ÖBF sowie der Waldstandsaufnahme des BMLF an. 1954 wechselte er zum Amt der Salzburger Landesregierung, wo er mit den forstfachlichen Agenden der Novellierung der Salinenkonvention bei den Bayerischen Saalforsten (Regulierung der Holzbezugsrechte) betraut wurde, ehe er 1959 die Landschaftliche Forstverwaltung in Zell am See übernahm. Schon früh kam er in Salzburg am Haus der Natur mit Prof. Eduard Tratz und Prof. Dr. Eberhard Stüber in Kontakt und war seit Anfang der Fünfzigerjahre Mitglied des Österreichischen Naturschutzbundes.
Der Ausgleich der Interessen von Forstwirtschaft, Jagd und Naturschutz war ihm stets ein besonderes Anliegen, was sich in zahlreichen ehrenamtlichen Funktionen in Naturschutz und Forstverein niederschlug. Er war Mitbegründer und langjähriger Bezirksleiter der Berg- und Naturwacht im Pinzgau (1968-1997). Dabei wirkte die Berg- und Naturwacht nicht nur erfolgreich am Vollzug naturschutzrechtlicher Bestimmungen mit, sondern kam zur Unterstützung der Gendarmerie auch bei zahlreichen Katastrophenfällen mit direkter Hilfeleistung für die Bevölkerung zum Einsatz. Gemeinsam mit dem damaligen Landesgeschäftsführer des ÖNB, OSR Hannes Mahringer, führte er auch zahlreiche Vorbereitungsarbeiten für die Ausweisung des späteren Nationalparks Hohe Tauern im Pinzgau und Pongau durch. Anfang der Siebzigerjahre gründete er in Zell am See eine örtliche Gruppe der Naturschutzjugend, welche später Prof. Mag. Wolf Kunnert übernahm.
HR Hinterstoisser war ab 1980 bis 2003 als Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Berg- und Naturwachten Österreichs (ABNÖ) am Aufbau entsprechender Naturschutzwacheorganisationen in verschiedenen Bundesländern maßgeblich beteiligt. Er arbeitete als Mitbegründer und langjähriges Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Natur- und Umweltschutz (heute: Umweltdachverband) am Aufbau eines grenzüberschreitenden Natur- und Landschaftsschutzes mit. Während der Amtszeit von Univ.-Prof. Dr. Hubert Trimmel war er auch stellvertretender Vorsitzender des Österreichischen Nationalkomitees der internationalen Alpenschutzkommission CIPRA, wo er seine zahlreichen fachübergreifenden Kontakte beispielsweise im Fachausschuss „Wald-Wild-Weide“ sehr nutzbringend einsetzen konnte. Nach seiner Pensionierung 1988 betreute er als Wirtschaftsführer den Jagd- und Forstbetrieb „Schönbichlgut“ in Fusch. Nebenberuflich war er als ökologische Bauaufsicht bei der Errichtung bzw. Erneuerung der TAL-Pipeline im Landschaftsschutzgebiet Felbertal und bei der herausfordernden Rekultivierung der Kanalisationstrassen entlang des Wasserfallweges beim Naturdenkmal und Europadiplomgebiet „Krimmler Wasserfälle“ tätig.
Seine Arbeiten wurden u.a. durch die EP Tratz-Medaille des ÖNB, das goldene Verdienstzeichen der ABNÖ, das Umwelt-Verdienstzeichen des Landes Salzburg und das silberne Verdienstkreuz der Republik Österreich gewürdigt.
Hermann Hinterstoisser