EU-Klimaziel 2040: Ein wichtiger Schritt – aber mit gefährlichen Schlupflöchern
Gerald Pfiffinger, Geschäftsführer des Umweltdachverbandes
Das Europäische Parlament hat am 13. November den Weg für das neue EU-Klimaziel 2040 freigemacht. Damit bekennt sich die EU dazu, ihre Treibhausgasemissionen bis 2040 um 90 % zu reduzieren. Dieses Niveau ist notwendig, um die 1,5-Grad-Grenze nicht zu sehr zu verfehlen und die Transformation unseres Energies- und Wirtschaftssystems konsequent voranzutreiben.
Doch ein entscheidender Punkt bleibt fraglich: Bis zu 5 % dieser Reduktionen sollen durch Klimazertifikate außerhalb der EU erreicht werden. Diese Kompensationen sollen rund 100 Milliarden Euro kosten – Geld, das dann in der EU für dringend notwendige Klimainvestitionen fehlen könnte.
Schwer wiegt auch die ethisch-moralische Frage. Denn Klimaschutz muss weltweit stattfinden und sollte nicht mit einer Auslagerung unserer Verantwortung einhergehen. Es ist moralisch fragwürdig, dass wir unseren CO₂-Ausstoß in anderen Ländern „wegkompensieren“. Wir in Europa müssen selbst unsere Gewohnheiten ändern und Emissionen reduzieren. Wenn wir CO₂ tatsächlich senken wollen, brauchen wir einen ehrlichen Netto-Effekt.
Tatsächlich zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass viele dieser Kompensationsprojekte – insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern, etwa im Bereich der Emissionsminderung aus Entwaldung – schwer überprüfbar sind. Sie weisen darauf hin, dass ein großer Teil der dort erzeugten Emissionsgutschriften nur “heiße Luft” ist und reale Emissionen nicht ausgleicht. So fließen Milliarden in eine Strategie, die nur teilweise funktioniert – statt in echte Lösungen wie den Ausbau der Erneuerbaren.
Darum braucht es strenge internationale Standards und vor allem: den Mut zur Veränderung im eigenen Land. Denn Klimaschutz soll kein Exportgut sein. Das Votum ist ein Schritt nach vorne – aber einer, der nur dann hält, was er verspricht, wenn Europa Schlupflöcher schließt und sich auf das Wesentliche konzentriert: ehrlichen Klimaschutz.