Jetzt das Richtige tun!

Stephanie Drlik
Geschäftsführerin ÖGLA | Österreichische Gesellschaft für Landschaftsarchitektur


Der Bodenverbrauch in Österreich ist viel zu hoch. Das ist leider keine neue Nachricht. Laut Zehn-Jahres-Schnitt gehen rund 11 Hektar pro Tag verloren, im Vorjahr waren es knapp 7 Hektar. Der Rückgang im vergangenen Jahr könnte Hoffnung geben, doch der Schein trügt. Die Verlangsamung ist überwiegend konjunkturell bedingt und wohl eher auf die schwächelnde Bauwirtschaft als auf kluge Bodenpolitik zurückzuführen. Denn erst nach langem Ringen hat die alte Bundesregierung ein – unverbindliches – 2,5 Hektar Bodenverbrauchslimit festgelegt. Der erhoffte grundlegende Strukturwandel ist ausgeblieben.

Und was sagt der Blick in die Zukunft? Werden wir „Jetzt das Richtige tun. Für Österreich“? Im Regierungsprogramm 2025-2029 ist ein klares politisches Bekenntnis zu Bodenschutz und dem 2,5 Hektar-Ziel ablesbar. So weit, so gut. Doch wie die neue Regierung den absurd hohen Bodenverbrauch konkret einbremsen will, bleibt vorerst offen. Nachschärfungen wurden angekündigt, aber man scheint es nicht allzu eilig zu haben. Jedenfalls entsprechen die moderaten Ansätze nicht der Dringlichkeit des Problems. Erste große Hürde: Maßnahmen werden vorbehaltlich ihrer Budgetdeckung realisiert. Das gibt in der aktuellen Lage nicht gerade Hoffnung. Die Bodenpolitik war in den letzten Jahrzehnten ein „gutes Geschäft“ für Gemeinden, warum sollten sie gerade jetzt, wo alle den Gürtel enger schnallen müssen, ihren bisherigen Kurs ändern? Da wird es wohl auch finanzielle Anreize brauchen, etwa über den Finanzausgleich und das Steuersystem. Bauen auf der grünen Wiese darf nicht länger attraktiver sein als die Innenentwicklung der Gemeinden. Die Aufgabenstellung ist mehr als komplex, doch gerade jetzt gilt es politisch zu gewichten und die richtigen Weichen zu stellen, um nicht wieder in das alte Muster zu verfallen: Was wir heute nicht lösen können, verschieben wir auf später. Denn für „später“ fehlt uns die Zeit.

 

Dieser Text wurde erstmalig im fact.um 1/2025 veröffentlicht.