Laut, lauter – und dann?

Gerald Pfiffinger, Geschäftsführer des Umweltdachverbandes

Laut einer Trend-Umfrage nehmen über 50 Prozent der Bevölkerung eine sehr starke oder starke Polarisierung der Gesellschaft zu zahlreichen Themen wahr. Während die einen sich für etwas aussprechen, stemmen sich andere inbrünstig dagegen. Beide Seiten schreien ihre Ansichten so lange hinaus, bis das Thema wirklich niemand mehr hören kann. Differenzierte Positionierungen dazwischen haben wenig Chance, überhaupt wahrgenommen zu werden. Kein Wunder also, wenn gesellschaftspolitisch erwünschte Transformationsprozesse nicht stattfinden – obwohl die Bevölkerung Umweltthemen mehrheitlich aufgeschlossen gegenübersteht.

Beispielhaft für derart gespaltene Meinungsfronten im Umweltbereich sind neben dem Themenklassiker „Klimaschutz“ auch die Materie „Wolf und Herdenschutz“ sowie die „Wiederherstellungsverordnung“. Während beim Thema Wolf jeder vernünftige breitenwirksame Dialog zu niveaulos reißerischem Geplärre verkommen ist, hege ich bei der Wiederherstellungsverordnung noch Hoffnung auf einen gemeinsamen gesellschaftlichen Diskussionskonsens. Dies deshalb, weil in Dialogveranstaltungen – z. B. im Netzwerk Zukunftsraum Land – sehr unterschiedliche Stakeholder:innen-Gruppen durchaus gemeinsame Positionen zu Tage brachten.

Eine wertvolle Voraussetzung: Den Sinn der Wiederherstellung von Lebensräumen in Natur- und Kulturlandschaften stellt kaum jemand in Frage. Aus Projekterfahrungen ist die Renaturierung als konfliktfreies Naturschutzinstrument grundsätzlich positiv besetzt. Das Prinzip der Freiwilligkeit und die Schaffung von finanziellen Anreizen sind dabei wichtige Erfolgsfaktoren.

Dennoch scheint die Wiederherstellungsverordnung mit ihrer ambitionierten Zielformulierung noch viele zu überfordern. Daher ist es umso wichtiger, unter Einbindung aller Stakeholder:innen pragmatische Lösungsansätze zu finden, um Konflikten zu begegnen. Solche Diskussionsformate machen Mut und schaffen Zukunftshoffnung!

 

Dieser Text wurde erstmalig im fact.um 2/2024 veröffentlicht.