Europas Naturschutzgesetze müssen gestärkt – nicht geschwächt – werden!

Doris Pennetzdorfer, Ökologin im Umweltdachverband

Mit dem Ende der öffentlichen Konsultation der Europäischen Kommission zum sogenannten „Stresstest" der EU-Vogelschutz- und FFH-Richtlinie haben mehr als 600.000 Menschen ein klares Signal gesetzt: Europas bewährte Naturschutzgesetze sollen nicht aufgeweicht, sondern konsequent umgesetzt und ausreichend finanziert werden. Dazu ruft auch die europäische Kampagne #HandsOffNature auf. 

Die Vogelschutz- und die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie gehören seit Jahrzehnten zu den tragenden Säulen des europäischen Naturschutzes. Sie bilden die Grundlage für das Natura-2000-Netzwerk, schützen wertvolle Lebensräume und gefährdete Arten und leisten zugleich einen wichtigen Beitrag zum Erhalt jener Ökosysteme, von denen sauberes Wasser, fruchtbare Böden und eine hohe Lebensqualität abhängen.

Kurzfristiges Denken gefährdet langfristige Lebensgrundlagen
Die Diskussion über den „Stresstest" reiht sich in eine Entwicklung ein, die der Umweltdachverband mit Sorge beobachtet: Immer wieder geraten Umwelt- und Naturschutzregelungen unter Druck, sobald kurzfristige wirtschaftliche Interessen oder geopolitische Entwicklungen in den Vordergrund rücken. Dabei sind intakte Ökosysteme kein Hindernis für gesellschaftliche Entwicklung, sondern eine wesentliche Voraussetzung für ihre langfristige Stabilität.

Bereits der Fitness Check der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2016 bestätigte, dass die Vogelschutz- und die FFH-Richtlinie ihren Zweck erfüllen. Für uns ist daher klar: Handlungsbedarf besteht nicht bei den Richtlinien selbst, sondern bei ihrer konsequenten Umsetzung und einer ausreichenden Finanzierung. Gerade angesichts der Klima- und Biodiversitätskrise braucht Europa verlässliche Rahmenbedingungen, die beide Herausforderungen gemeinsam adressieren. Der laufende „Stresstest" sollte daher genutzt werden, bestehende Vollzugsdefizite zu beheben und die Umsetzung der Richtlinien zu stärken – anstatt sie erneut infrage zu stellen.