Streuobst in Österreich – gemeinsam Vielfalt fördern und Inwertsetzung steigern

Streuobstwiesen sind charakteristische Elemente unserer Kulturlandschaft und wahre Hotspots der Biodiversität. Trotz ihres mannigfaltigen Nutzens werden Streuobstwiesen in Österreich allerdings immer seltener. Unser Projekt „Streuobst in Österreich – gemeinsam Vielfalt fördern und Inwertsetzung steigern“ will mit Partnern aus Naturschutz, Tourismus und Regionalentwicklung einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt und Ausbau der heimischen Streuobstbestände leisten.

Streuobstwiesen sind ganz besondere Lebensräume und Naturparadiese aus Menschenhand, die nur weiterbestehen, wenn sie gepflegt und bewirtschaftet werden. Als Streuobstbau definiert die ARGE Streuobst „landschaftsprägenden extensiven Obstbau“, der in vielfältiger Form auftreten kann: Streuobstwiesen, Obstbäume in Weingärten, Obstbäume auf Ackerflächen, markante Einzelbäume und Grenzbäume, Obstbäume am Straßenrand oder Obstalleen. Typisch für den Streuobstbau ist darüber hinaus eine bunte Vielfalt an Bäumen unterschiedlicher Sorte, Art und verschiedenen Alters.

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Hotspots der Biodiversität: Streuobstwiesen bieten schützenden Lebensraum für zahlreiche gefährdete Arten. Foto: © Petra Petz

Dank ihres reichhaltigen Nahrungs- und Strukturangebots bieten Streuobstwiesen passenden Lebensraum für mehr als 5000 Tier- und Pflanzenarten. Blüten, Blätter, Früchte, Nektar und Pollen der Obstbäume dienen Schmetterlingen, Wildbienen und anderen Insekten als Nahrung. Das tiefe und weitreichende Wurzelsystem der Bäume schützt vor Erosion durch Wind und Wasser, weshalb Streuobstwiesen auch in Hanglagen guten Halt finden können. Dank der extensiven Bewirtschaftung kommen auf Streuobstwiesen seltene Arten wie die Wiesen-Flockenblume oder der Wiesensalbei vor. Zudem finden viele geschützte Tierarten, die aus anderen intensiv genutzten Lebensräumen verdrängt wurden, auf Streuobstwiesen Schutz und Heimat. Besonders hervorzuheben ist etwa der Juchtenkäfer, der aufgrund seiner starken Gefährdung als sogenannte prioritäre Art der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geführt wird. Auch Fledermausarten wie die Bechsteinfledermaus oder die Große Hufeisennase und Vogelarten wie der Neuntöter oder der Grauspecht profitieren vom reichen Nahrungs- und Habitatangebot der Streuobstbestände.

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Im Streuobstbau blieb bis heute eine große Sortenvielfalt erhalten, die wertvolle Chancen für die Zukunft des Obstbaues bietet. Foto: © Petra Petz

Als Kohlenstoffspeicher und als regionale Nahrungsmittelversorger leisten Streuobstbestände einen wirksamen Beitrag zum Klimaschutz. In Österreich produziertes und konsumiertes Streuobst hat kurze Transportwege hinter sich – oft wird es direkt in der Region, beispielsweise auf Märkten oder ab Hof verkauft. Damit fördert Streuobstbau die regionale Wertschöpfung sowie den Austausch mit der lokalen Bevölkerung. Zudem konnte im Streuobstbau bis heute eine besondere Fülle an Obstarten und Sorten erhalten werden. Auswirkungen der Globalisierung wie zunehmende Intensivierung und Monopolisierung der Landwirtschaft und wachsender Preisdruck sorgen jedoch seit Jahrzehnten für einen stetigen Rückgang des Streuobstbaus. Denn Streuobstwiesen sind aufwändig in der Pflege und Bewirtschaftung und entsprechend wenig ertragreich für die LandwirtInnen. Von den ca. 3000 Obstsorten in Österreich sind mittlerweile eine Vielzahl in ihrem Bestand bedroht – besonders gefährdet sind sogenannte Alte Sorten, die oft nur regional verbreitet sind.

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Das Streuobst-Projekt des Umweltdachverbandes agiert an der Schnittstelle von Landwirtschaft, Naturschutz, Tourismus und Regionalentwicklung. Foto: © Umweltdachverband

Wir setzen uns für die Förderung des nachhaltigen Erhalts von Streuobstbeständen als Lebensraum vieler naturschutzfachlich relevanter Tier- und Pflanzenarten und als wichtiger Bestandteil des Landschaftsbildes ein. Ziel des Projekts „Streuobst in Österreich – gemeinsam Vielfalt fördern und Inwertsetzung steigern“ ist es, den tatsächlichen ökologischen und ökonomischen Wert von Streuobstkulturen hervorzuheben und mit Hilfe von Best-Practice-Beispielen zu einer breiten Bewusstseinsförderung beizutragen. Mit gezielten Maßnahmen sollen der Erhalt der regionalen Sortenvielfalt gefördert und ihr Wert für die regionale Entwicklung verankert werden. Ein besonderer Fokus liegt auf der Verbesserung des Erhaltungszustandes von in Streuobstbeständen lebenden Arten von europäischem Interesse.

Projektinfos kompakt


Projektstart: März 2019
Laufzeit: 27 Monate


Gefördert durch das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus sowie die Europäische Union im Rahmen des Österreichischen Programms für die Ländliche Entwicklung 2014-2020.

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Ihre Projekt-Ansprechpartnerin:

Judith Drapela-Dhiflaoui

Dr.in Mag.a Judith Drapela-Dhiflaoui

Stv. Teamleitung

Biodiversität und Ländliche Entwicklung


+43 1 401 13 37