Geschichte & Meilensteine

Am 27. März feiert der Umweltdachverband seinen 45. Geburtstag. Bei der konstituierenden Sitzung am 27.3.1973 im Palais Auersperg, der auch die damalige erste österreichische Umweltministerin Ingrid Leodolter beiwohnte, wurde die „Österreichische Gesellschaft für Natur- und Umweltschutz“ (ÖGNU) gegründet, um den aufkeimenden Ökologiegedanken in unserem Land zu beflügeln. Von Anfang an mit dabei waren die Naturfreunde, der Alpenverein, der Touristenklub, der Naturschutzbund, der Verband der Höhlenforscher und die Bergwacht. Mittlerweile ist der Umweltdachverband auf 36 Mitgliedsorganisationen gewachsen.

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Die 1970er: Sensibilität für Umweltthemen wächst
Erstes Umweltministerium, ÖGNU als „öffentliches Gewissen“
Von Abfallwirtschaftspolitik zum Berggesetz: Verankerung von Ökologiethemen in der Öffentlichkeit
Einsatz für Schutzgebiete von Anfang an
Reichtum unserer Naturschätze erhalten
Volle Kraft für unser Wasser
Mitspracherecht & ethische Verantwortung
Bildung für nachhaltige Entwicklung
Zeit zum Ausruhen wird es wohl nie geben

Die 1970er: Sensibilität für Umweltthemen wächst

In den 1970er-Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die Stimmen für mehr Sensibilität gegenüber Umweltanliegen weltweit zunehmend lauter. 1970 wurde erstmals der „Tag der Erde“ abgehalten und das „Europäische Naturschutzjahr“ ausgerufen. 1972 veranstaltete die UNO einen ersten Umweltgipfel in Stockholm. 1973 wurde das erste Umweltaktionsprogramm der Europäischen Gemeinschaft verabschiedet, welches die Leitlinien zur Entwicklung einer gemeinschaftlichen Umweltpolitik festschrieb.

In Österreich war die Umweltgeschichte in diesem Jahrzehnt von Ereignissen wie dem Ölpreisschock 1973/74 geprägt. In Folge dessen Folge wurden die Grenzen des ökonomischen Wachstums hinterfragt und vermehrt Fragen des Umweltschutzes thematisiert. Einschneidende Ereignisse waren außerdem die Volksabstimmung über das AKW Zwentendorf 1978 und die Besetzung der Hainburger Au 1984/85.

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Protest gegen das geplante Kraftwerk in Hainburg © Kuratorium Wald

Erstes Umweltministerium, ÖGNU als „öffentliches Gewissen“

Darüber hinaus wurde ein Jahr vor Gründung der ÖGNU in Österreich erstmals ein Bundesministerium für Gesundheit und Umweltschutz eingerichtet – ein Meilenstein hinsichtlich der institutionellen Verankerung von Umweltanliegen in Österreich. Neben der Bündelung der verfügbaren Kräfte der Organisationen waren die Gründungsorganisationen der ÖGNU davon überzeugt, dass durch sachliche und gezielte Information der Öffentlichkeit und der EntscheidungsträgerInnen der größte Beitrag zu einer zukunftsorientierten Umweltpolitik zu leisten wäre. Dieses „öffentliche Gewissen“, wie es auch der erste Präsident der ÖGNU, Herbert Moritz, in der Gründungsversammlung nannte, war und ist nach wie vor eine der wichtigsten Rollen des Umweltdachverbandes, der über die Jahre ein unverzichtbarer Teil einer kritischen, umweltbewussten Öffentlichkeit geworden ist.

Von Abfallwirtschaftspolitik zum Berggesetz: Verankerung von Ökologiethemen in der Öffentlichkeit

In den 1970er-Jahren griff die ÖGNU v. a. die Themen Abfallwirtschaftspolitik, Deponietechnik und Müllvermeidung sowie Wasser- und Abwasserfragen auf.
Gemeinsam mit Gemeinden und Bürgerinitiativen gelang es in den 1990er-Jahren u. a. die Unzulänglichkeiten des Berggesetzes deutlich zu machen und die scheinbare Allmacht der Bergbehörden zu brechen. Seit damals sind im Mineralrohstoffgesetz (MinroG) sowohl Umwelt- als auch Bürger- und AnrainerInnenrechte verankert. Nachdem die ÖsterreicherInnen bei der Volksbefragung 1978 ein klares Nein zu Zwentendorf gaben, trat der Umweltdachverband erfolgreich für ein neues österreichisches Atomhaftungsgesetz und ein Bundesverfassungsgesetz für ein atomfreies Österreich (1999) ein.

Einsatz für Schutzgebiete von Anfang an

Gerhard Heilingbrunner, von 1993-2014 nach Herbert Moritz, Herbert Salcher und Alfred Stingl vierter Präsident des Umweltdachverbandes, war 1984 mitverantwortlich dafür, dass die Donau-Auen bei Hainburg nicht durch ein Kraftwerk zerstört wurden, sondern seit 1996 durch den Nationalpark geschützt sind. Bezeichnend, denn der Umweltdachverband engagierte sich von Beginn an für die heimischen Nationalparks, verhalf in den 1980er-Jahren dem Nationalpark Hohe Tauern zum Durchbruch und leistete für die Entstehung der Nationalparks Thayatal und Gesäuse maßgebliche Beiträge. Franz Maier, 1994-2008 Geschäftsführer und seit 2014 Präsident des Umweltdachverbandes, hatte großen Anteil, dass der Nationalpark Kalkalpen 1997 realisiert wurde.

Mit dem „Jahr der Naturparke“ wurde 1999 gemeinsam mit dem Verband der Naturparke Österreichs eine Weiterentwicklung der Naturparke eingeleitet. Wegbereiter für das UNESCO-Welterbegebiet Hallstatt – Dachstein – Salzkammergut war Hubert Trimmel (†2013), ehemaliger Vizepräsident des Umweltdachverbandes, Ehrenpräsident des VÖH und Ehrenvorsitzender von CIPRA Österreich.

Last but not least geht auch der entscheidende Antrieb für den Biosphärenpark Wienerwald auf die Initiative des Umweltdachverbandes zurück. Immer wieder gelang es, wichtige Naturgebiete und strategische Wasserressourcen – wie das Revier Wildalpen – vor Zerstörung oder Privatisierung zu bewahren. 2017 hatte der Umweltdachverband maßgeblichen Anteil, dass das Naturschutzgebiet Warscheneck nicht der Seilbahnlobby zum Opfer fiel.

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Wanderung zum Schafferteich im Rahmen der Pressekonferenz zum Thema Warscheneck © Leitgeb

Reichtum unserer Naturschätze erhalten

Hohe biologische Vielfalt ist der Maßstab für gesunde Umwelt und intakte Natur – doch dieser Reichtum ist im Lauf der vergangenen Jahrzehnte mehr und mehr geschwunden. Der Umweltdachverband engagiert sich deshalb von Anbeginn für den Erhalt der heimischen Tier- und Pflanzenarten sowie der Vielfalt an Lebensräumen in der Natur- und Kulturlandschaft. Seit Ende der 1990er-Jahre setzt sich der Umweltdachverband dafür ein, das europaweite Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000 in Österreich aufzubauen und umzusetzen. Zukunftsweisend ist in diesem Jahrzehnt auch das Engagement des Umweltdachverbandes für eine sektorenübergreifende Zusammenarbeit in Sachen Biodiversitätsschutz. Last but not least ist der Schutz der Alpen als Natur- und Lebensraum eine der vielen Missionen des Umweltdachverbandes, der auch Träger der Alpenschutzkommission CIPRA Österreich ist.

Volle Kraft für unser Wasser

Im Gewässerschutz wiederum wirkt der Umweltdachverband durch intensive Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit für eine effektive Umsetzung der EU-WRRL, um den heimischen Wasserschatz in seiner Einzigartigkeit zu erhalten – ganz nach dem obersten Gebot der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL):

„Wasser ist keine übliche Handelsware, sondern ein ererbtes Gut, das geschützt, verteidigt und entsprechend behandelt werden muss“.

Umfassender Gewässerschutz und die effektive Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie sind Voraussetzungen dafür, den Wasserschatz Österreichs in seiner Einzigartigkeit zu erhalten. Im Internationalen „Jahr des Wassers 2003“ führte der Umweltdachverband eine österreichweite Kampagne durch, die darauf abzielte, den Schutz des kostbaren Guts verfassungsrechtlich zu verankern, durch. Mit seiner jährlich aktualisierten Wasserkraftwerksliste zeigt der Umweltdachverband bereits seit 2010 die Eingriffe der Kraftwerksbauer in die heimischen Flussjuwele auf. Denn: Bau und Betrieb von Wasserkraftwerken können Gewässerlebensräume negativ beeinflussen und müssen daher im Einklang mit ökologischen Kriterien stehen. Das Monitoring der Aktivitäten der Energiewirtschaft sowie der Einsatz für den Erhalt der letzten naturnahen Fließgewässerabschnitte gehören daher seit Jahren zum Tagesgeschäft des Umweltdachverbandes.

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Übergabe der Wasserpetition an den Präsidenten des Österreich-Konvents Franz Fiedler durch Umweltdachverband-Präsident Gerhard Heilingbrunner © Franz Pfluegl

Mitspracherecht & ethische Verantwortung

Zu einer der Stärken des Umweltdachverbandes zählt nicht zuletzt die hohe umweltrechtliche Kompetenz. Seit seiner Gründung tritt der Umweltdachverband für mehr BürgerInnenbeteiligung und NGO-Mitspracherechte in Natur- und Umweltschutzbelangen und die Weiterentwicklung umweltrechtlicher Standards ein. Dabei punktet er mit Fachkompetenz u.a. in Sachen Aarhus-Konvention und UVP-Verfahren.

Wegweisend hat sich auch die Aussage von Alfred Stingl, 1986-1993 Präsident der ÖGNU, erwiesen:

„Daher wird es auch in Zukunft die wichtigste Aufgabe der ÖGNU sein, eine Symbiose zwischen Naturschutz und einer ethisch verantwortbaren Nutzung der Natur zu finden“.

Eine Aufgabe, der sich der Umweltdachverband seit Jahrzehnten widmet, die aber an Aktualität nicht verloren hat – ein naturverträgliches Energiesystem, das den Bedürfnissen von Mensch und Natur gerecht wird, zählt nach wie vor zu den größten Herausforderungen.

Protest Schwarze Sulm UWD zugeschnitten

Protest gegen den Kraftwerksbau an der Schwarzen Sulm © Archiv Umweltdachverband

Bildung für nachhaltige Entwicklung

1994 wurden das EU-Umweltbüro und das Alpenkonventionsbüro, bereits 1983 die ARGE Umwelterziehung gegründet, letztere mit dem Ziel, Ökologiethemen in einer breiteren Öffentlichkeit zu verankern. In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist sie als FORUM Umweltbildung zur zentralen Plattform im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung gewachsen.

„Stolz bin ich auf die ARGE Umwelterziehung. Sie hat dem Unterrichtsprinzip Umwelterziehung in der Schule Inhalt, Schwung und Dynamik gegeben. Es war eine große Genugtuung für mich, als ich die Konferenz der OECD Bildungsminister 1985 in Paris gewinnen konnte, sich unser Prinzip Umwelterziehung zu eigen zu machen, das heute in vielen europäischen Ländern nach österreichischem Vorbild praktiziert wird“

erzählt Umweltdachverband-Gründungspräsident Moritz, der Mitte der 1980er Jahre zum Bundesminister für Unterricht Kunst und Sport berufen wurde.

Zeit zum Ausruhen wird es wohl nie geben

Dennoch und trotz aller Errungenschaften und Erfolge – sieht man sich die Anliegen der UmweltschützerInnen der ersten Stunde an, brennen viele Themen nach wie vor unter den Nägeln: Wasserkraftausbau, Schigebietserschließungen und Infrastrukturvorhaben. Außerdem standen Themen wie „Green Jobs“, „die Vereinigung von Ökonomie und Ökologie“ oder die „wirtschaftliche Bewertung von Ökosystemdienstleistungen“ schon damals auf dem Tapet. So manches wurde erreicht im Umweltschutz in den letzten 45 Jahren, doch Zeit zum Ausruhen wird es wohl nie geben.

„Der Staat hat die Aufgabe, Umweltschutz zu betreiben. Wir helfen der Regierung, ihre Umweltpolitik konkret umzusetzen“

bemerkte Roland Siegrist, Vorstandsmitglied in den 1990er Jahren anlässlich der 20 Jahr-Feier der damaligen ÖGNU. Eine Auftrag, der aktuell nichts an Gültigkeit verloren hat.

2018 feiert der Umweltdachverband seinen 45. Geburtstag – Anlass zum Feiern und Zurückzublicken. Lesen Sie mehr dazu hier.

Die ehrenamtlichen Präsidenten des Umweltdachverbandes:

  • 1973-1984: Dr. Herbert Moritz
  • 1984-1986: Dr. Herbert Salcher
  • 1986-1993: Alfred Stingl
  • 1993-2014: Dr. Gerhard Heilingbrunner
  • seit 11/2014: Mag. Franz Maier

Die GeschäftsführerInnen des Umweltdachverbandes:

  • 1973-1974: Helfried Ortner
  • 1975-1978: Dr. Erhard Zach
  • 1978: Dr. Franz Hiess
  • 1978-1983: DI Dr. Heinz Kaupa
  • 1983-1992: DI Walter Scharf
  • 1993: Mag. Willi Linder
  • 1993-1994: Dr. Bernadette Damböck
  • 1994-2008: Mag. Franz Maier
  • 2008-2017: Mag. Michael Proschek-Hauptmann
  • seit 03/2017: Mag. Gerald Pfiffinger